Freitag, 17. Dezember 2010

¡Una cerveza por favor! - Buenos Aires Teil 2




Direkt gegenüber des Cementerio de la Recoleta ist das Café „La Biela“ gelegen. In den 1850gern eröffnet aber, erst in den 1950ern wurde das Cafe zu dem was es heute ist. Damals trafen sich hier die Autorennfahrer, um sich ein paar Drinks zu genehmigen. Zu den Gästen gehörte auch der fünfmalige Formel1-Weltmeister und Argentinier Juan Manuel Fangio. Sein Rekord wurde erst nach 46 Jahre übertroffen, durch Michael Schuhmacher. Die scharz/weiß Bilder an den Wänden erinnern an die rumreiche Zeit. Die Gesichter der Rennfahrer teilweise verrußt und in Siegerpose mit dem Pokal in der Hand. Wir genehmigen uns ebenfalls einen kühlen Drink zur Erfrischung und einen köstlichen Apfelkuchen, der von einem der zahlreichen Kellner fix serviert wird. 


Nach der kurzen Pause schlendern wir durch die Straßen, schauen uns die verschiedenen Auslagen der Geschäfte an und treffen schließlich auf das Alvear Palace Hotel. Es gilt als das einzige echte Grandhotel Buenos Aires und steht als bleibendes Symbol für die Bestrebung der Stadt als das „Paris Südamerikas“ zu gelten. Es hat 16 Etagen, davon sind 5 unterirdisch?! Wirklich sehr beeindruckend.


Alle großen Modellabels haben sich rund um das Hotel angesiedelt...u.a. YSL, La Martina, Ralph Lauren (die ein kleines Schloß als Laden haben – ich natürlich gleich mal rein, bin ja neugierig...wow, über 2 Etagen hängen die edelsten Stöffchen sauber aufgereiht und hindrapiert, tolle Innenausstattung und die Preise natürlich in US Dollar, versteht sich).

Mit dem Bus 102 geht’s von Recoleta ins Stadtviertel La Boca, der angeblichen Wiege des Tangos. Beim Besuch des Stadions blieb keine Zeit sich das Viertel in Ruhe anzusehen, daher gings noch mal hin. An der Bushaltestelle stellen sich alle ganz brav in einer Reihe an. Beim einsteigen in den Bus wirft man neben dem Busfahrer die 1,20 Peso in einen Automaten, der gleich Ticket und Wechselgeld ausspuckt. Ohne Klimaanlage bei 34 Grad drängen wir uns mit groß und klein, dick und dünn, alt und jung auf engstem Raum. Der Busfahrer bremst immer wieder kurz und heftig, so dass ich mehrfach an den Rücken des schwitzenden Vordermannes gedrückt werde. Anscheinend hatte da auch jemand einen gratis Virus in der Tasche, jedenfalls lag die Reisegruppe am nächsten Tag mit Fieber und Schüttelfrost dar nieder. Aber dazu komm ich später. An sich ist diese  Busfahrt wirklich toll, weil man die Stadt sehr gut erlebt und durch verschiedene Stadtgebiete kommt. Wir steigen völlig durchgeschwitzt in La Boca aus und genehmigen uns erstmal ein kühles Cerveza. Zu Fuß geht es durch El Caminito, einer kleinen Fußgängerzone  in der Kellner um ihre Gäste werben, spontan Tango getanzt wird und Straßenverkäufer ihre Waren anbieten. Ein sehr lebendiges Treiben. Die Häuser in der Gasse, teilweise aus Wellblechwänden und Dächern bestehend sind in grellen Farben angestrichen und geben somit ein lebendiges Fotomotiv, was man oft sieht. Eine Geschichte besagt, das die Einwanderer aus Genua im 19 Jahrhundert ihre Slumhütten mit jedem Farbtopf den sie kriegen konnten, so verschönert haben.




Ein junger Mann macht uns darauf aufmerksam auf den Touristenwegen zu bleiben, da dies sicherer in dieser Gegend ist - „you might lose your life!“ Spass oder Ernst gemeint?! Wir halten uns an die Warnung, jedoch wird uns etwas mulmig als wir doch unbemerkt vom rechten Pfad abkommen und wir von rumstreunenden Kindern angesprochen werden. Anscheinend als weiteren kleinen Hinweis zu verstehen, schauen wir uns kurz an, drehen sofort auf unseren Hacken um und steigen in ein Taxi. Der nächste Stopp ist die Markthalle Desponsa (San Telmo), in der es hauptsächlich Trödel und Antiquitäten in aneinander gereihten kleinen Läden zu kaufen gibt. 



Gruselig wird es als ich in einer Vitrine eine goldene Hitlerbüste stehen sehe, in einem weiteren Laden Manschettenknöpfe mit Hakenkreuzen und ein Bild Adolf Hitlers von 1933, mit der Bitte versehen „Nicht berühren“.
Zwischen dem ganzen Trödel werde ich natürlich fündig, wie eigentlich immer. Eine argentinische Polizistenpfeife für 60 Pesos, natürlich hab ich gefeilscht ;-) und einen kleinen goldenen Wal, der eigentlich als Aschenbecher gedacht ist. Das find ich aber verachtend dem Wal ins Maul zu aschen, somit wird es eher ein Staubfänger in meinem Regal. Somit hab ich auch nicht den Tierschutz an der Backe.
Am nächsten Morgen gings dann langsam los mit Kopfschmerzen und erhöhter Temperatur. Da angedacht war heute mit dem Luftkissenboot nach Colonia de Sacramento (Uruguay) zu fahren, kauften wir noch schnell Tickets im Reisebüro und den Rest des Tages war Ruhe angesagt. Ohne ins Detail gehen zu wollen, die Abfahrt heut morgen war nicht möglich und ein weiterer Tag Bettruhe wurde der schwachen Reisegruppe verordnet. Morgen ist der nächste Ausflug zu einer 130 km entfernten Estancia geplant. Mit dem Mietwagen fahren wir die Küste entlang, bei hoffentlich besserer Gesundheit...ich werde Euch berichten. 
Bei Fragen und Anregungen bin ich ganz Ohr :-) 

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Buenos Aires - first impressions

In den frühen Morgenstunden landen wir in Buenos Aires, es ist noch dunkel und regnet. Glücklicherweise nur mit Handgepäck ausgestattet, huschten wir zum Taxi Stand. In Gedanken schon in den weichen Federn des Hotels in der Innenstadt. Der Taxifahrer half beim Verladen unseres Gepäcks. Ein nettes, etwas in die Jahre gekommenes Kerlchen mit grauem, langem Haar. Nachdem das Fahrziel geklärt und wir kaum eingestiegen waren, begann der Taxifahrer mit einer munteren Plauderei, auf Spanisch versteht sich. Teilweise mit beiden Händen gestikulierent, damit wir auch ja alles verstehen. Ramon, müsst ihr wissen, hat früher in einer Band gespielt - die 2.Gitarre. Er kramt aus der Fahrertür ein vergrautes, aber laminiertes Foto in A4 Format. Es zeigte Ramon zu seinen aktiven Zeiten auf der Bühne. Man konnte ihn jedoch nur an seinen langen Haaren und dem Armband, was er noch immer trägt erkennen, da er den Kopf zu Gitarre gesengt hat. Wir durften alle Lieder von der CD mit „seiner“ Band hören, die er ganz stolz einlegte und schön laut aufdrehte. Natürlich switchte er dabei zwischen seinen Solos und besonders tollen Einsetzen immer hin und her. Mein Wunsch nach dem ruhigen Hotelzimmer wurde immer stärker und hätte in dem Moment alles für Scotty´s Beamer gegeben. Aber auch diese Fahrt nahm ein Ende. Ramon drückt uns noch seine Telefonnummer mit einem breiten Grinsen in die Hand, mit der Bitte unbedingt anzurufen, wenn wir ihn als Fahrer brauchen. Da hatte ich ihm auch schon wieder verziehen.

NH City & Tower
Dann folgte nur einchecken und ersehnt ausschlafen....

Die Sonnestrahlen, die in mein Gesicht scheinen kitzeln mich wach und machen mich neugierig die Stadt zu Fuß zu erkunden. Unser Hotel, das NH City & Tower Hotel, liegt sehr zentral am Plaza de Mayo. Ein sehr historischer Platz, den auch schon die Perón´s geschickt als öffentlichen Versammlungsort nutzen. Heute ist Tag der Menschenrechte und der Platz ist mit gefüllt Menschen. Auf einer aufgebauten Bühne spielen verschiedensten Bands bis in den späten Abend hinein. Das Konzert wird sogar via TV in ganz Argentinien übertragen.
Sehr lange schon ist es mein Wunsch nach Buenos Aires zu reisen. Nach zahlreichen Dokumentationen über Diego Maradona, dachte ich hier die Vergötterung seiner Person real zu erleben. Das scheint sich etwas geändert zu haben. Auf den Trikots, die auf den Strassen und in den Läden verkauft werden stehen nun die Namen der neuen Generation - Messi & Tevez. Vorbei die Zeit  der gesprühten Konterfeis Diegos an den Hauswänden. Die Enttäuschung über das frühzeitige Ausscheiden bei der WM 2010 und somit dem „Versagen“ Maradona`s als Trainer der Nationalmannschaft Argentiniens hat Spuren hinterlassen. Jedoch nicht im Nationalstolz. Selbst die kleinen Steppkes tragen Jacken in Nationalfarben und dem AFA-Emblem der Fußballnationalmannschaft.
Einen Laden hab ich dann doch entdeckt, aber das war es bisher :-)


Was mich sehr auffällt, ist der Dreck auf den Strassen. Ein starker Kontrast zu den tollen Läden und Einkaufspassagen die so gepflegt daherkommen. Es wundert mich, dass bei der Wärme einem keine Gerüche a la Mumbai in die Nase steigen. Man sieht und merkt der Stadt und den Menschen an, dass sie noch stark mit dem Währungscrash 2002 zu kämpfen haben. Momentan bekommt man für 1 Euro = 5 Pesos, was ein wirklich guter Kurs ist. Der Euro spielt hier sonst keine Rolle. In manchen Geschäften, Restaurants und Hotels sind US Dollar als Zahlungsmittel ausgeschrieben und nicht die Landes übliche Währung, was mich sehr verwundert.
Das Schöne an Buenos Aires ist das  man sich in der Stadt ohne Bedenken bewegen kann. So lassen wir uns durch Strassen und Gassen treiben. Microcentro, Palermo Soho sind die ersten Bezirke, die von uns durchstreift werden, bevor es mit der U-Bahn (Subte) zurück in Richtung Hotel geht. 
Ausblick vom NH Hotel City & Tower
Der eigentliche, ursprüngliche Grund, Buenos Aires zu bereisen, ist ein Besuch des Heimatvereins BOCA JUNIORS, bei dem Diego Maradona einst spielte, und der weitere namhafte Spieler hervorgebracht hat. LA BOMBONIERA -  das Stadion des Vereins, ist wegen seiner feierfreudigen Fans und seiner Pralinenschachtel-Form weltberühmt. Glücklicherweise konnte ich nach einiger intensiver Recherche via Internet (via www.nexttravel.com.ar ),  zwei Monate im Voraus, Tickets für das letzte Heimspiel der Saison ergattern, inklusive Hotelshuttle, Museumsbesuch und einem privaten Guide. Nicht ganz günstig (pro Nase 600 Peso/150$), aber es war wirklich jeden Cent wert. Ich glaube es wäre sonst wahnsinnig schwierig Tickets zu bekommen, um sich ein Heimspiel anzusehen. Der Stadtteil La Boca, wo sich das Stadion befindet, steht vor jedem Spiel Kopf. Viele der Cafes/Bars auf dem Weg zur La Bomboniera sind in den Vereinsfarben gold-blau angestrichen. Väter mit ihren Söhnen, ganze Familien, aber auch Pärchen in Boca-Trikots ziehen stolz Richtung Stadion.  


Als wir vor der La Bomboniera aus dem Shuttle steigen bekomme ich gleich Gänsehaut beim Anblick des Stadions und der treuen Fans. Im Museum sind alle Trophäen, Trikots usw. ausgestellt, eine große Wand mit allen Sponsoren und Fotos vieler vergangener Spieler. Ein Film im 360 Grad Kino gibt den Besuchern einen Eindruck, was es heißt bei Boca Juniors und in der La Bomboniera zu spielen – Tradition und Stolz. Ein sehr guter Einstieg für das gleich bevorstehende Spiel. Als wir die steilen Ränge betreten, hallt uns schon der Gesang der Fans entgegen. Wahnsinn, das hab ich so noch bei keinem Spiel erlebt. Eine Akustik die mir erneut eine Gänsehaut zaubert. Hier ein kleines selbst aufgenommenes Video von mir...

Heute zogen wir um in den Stadtteil Recoleta, einer feisten Gegend mit tollen Restaurants, Geschäften und Cafés. Das Apartmenthaus, was übers Internet zu buchen war klang viel versprechend und wurde zu einer verdammt guten Rate angeboten. Also gleich zugegriffen und 2 Nächte gebucht. Als wir ankommen, erwartet uns in der Lobby Baustaub und auf dem Boden arbeitende Handwerker. Die Empfangdame begrüßt uns freundlich und sichert uns ein ruhiges Apartment in einem der oberen Etage zu. Noch nicht so recht dem Frieden trauend, schauen wir uns das Zimmer vorab einmal an und sind überrascht. Ein wahnsinnig großes Apartment erwartet uns mit kleinem Balkon und Blick in den Innenhof/Garten. Auf den ersten Blick alles toll. Wir sagen zu und ziehen ein. Nach und nach werden die Mängel für uns nun sicht- und spürbar – wie z.B. kein Internet und en durch Baudreck verschmutzter Pool. Die Dame vom Empfang schreibt sich fleißig alles auf, was ihre „Testwohner“ bemängeln und gelobt Besserung. Aber ehrlich, bei 62$ die Nacht statt 250$ kann man da schon mal ein Auge zu drücken.
Zu Fuß geht’s am Nachmittag durch die Umgebung und wir besuchen u.a. den Cementerio de la Recoleta. Kleine, große, alte, neue, romantische als auch kitschige Mausoleen stehen hier wunderbar aneinander gereiht. Der Friedhof ist gut besucht, was wahrscheinlich auch an der berühmten Evita Perón liegt, die hier ihre letzte Ruhe gefunden hat. 



Ich hoffe, meine Reiseberichte finden weiterhin Anklang, wenn ja, schaut wieder rein :-) 
Euer Echo Girl

Sonntag, 12. Dezember 2010

Neuer Tag, neues Glück !


Die Nacht war kurz, aber erholsam. Das Hotel, was Avianca uns „Gestrandeten“  spendiert hat, war einwandfrei und lag gleich neben dem Airport in Bogota. Sehr freundliches Personal muss man sagen. Nach einer kleinen Stärkung ging es auch schon wieder in Richtung Flughafen. Neuer Tag, neues Glück - mal schauen ob wirs heut tatsächlich bis nach Buenos Aires schaffen. Ich glaubs erst wenn ich tatsächlich Tango Musik vernehme und ein leckeres argentinisches Steak meinen Gaumen berührt.

In der Abflughalle wuselten Unmengen von Menschen. Und für uns hieß es wieder mal anstellen. Um dann kurz in Unsicherheit gebracht zu werden. Die Dame am Avianca Schalter sprach nur gebrochen Englisch und brachte nur „Flight Lima full!“ heraus. Ha,ha guter Witz zu Beginn des Tages. Nee, nee Freunde das läuft heut nicht mit mir! Das nochmalige Winken mit den Boardtickets zeigte glücklicher Weise Wirkung und brachte uns schlussendlich doch noch auf die total vollgestopfte Maschine nach Lima. Ich wieder schön Mittelplatz in der Dreierreihe – wer liebt das nicht. Komischer Weise sitzen neben mir nie Leute die so schlank sind wie ich, sondern immer Herren, die über ihre Lehne auf meine Sitzfläche hinaus quillen.Macht sich immer beim Essen oder schlafen sehr gut.

Der Flug war kurzweilig und in Lima hieß es dann erstmal 5 Stunden Aufenthalt tot schlagen bis zum Weiterflug nach Buenos Aires. 
1 ½ gingen, ihr werdet es sicher erraten, fürs Anstehen drauf. Mit neuer Airline (TACA) sollte es ja weiter gehen, die wussten natürlich nichts von unseren Gutscheinen und 4 weiteren Passagieren auf ihrem Flug. Auch da wieder der Gag mit dem ausgebuchten Flieger. Mit einer halben Stunde Verspätung hoben wir Richtung Buenos Aires ab. Diesmal war das Glück auf meiner Seite und hatte eine komplette Sitzreihe für mich, auf der ich mich schön breit machen konnte. Ein weiterer Reisetag durch die unendlichen Weiten Südamerikas und 3 Ländern – Kolumbien, Peru, Argentinien.

.Wie es weitergeht lest ihr schon bald :-) . Danke fürs lesen.

Samstag, 11. Dezember 2010

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...

Mit großer Vorfreude auf einen Monat Roundtrip durch Südamerika ging heute früh los zum LAX. Das bescheidene Ziel für heut: mit Avianca von Los Angeles via Bogota nach Buenos Aires. Tja, daraus wurde leider nix. Nach 
1 1/2 Stunden warten im Flieger mußten alle wieder aussteigen. Benzinpumpe defekt. Nach weiteren 2 1/2 Stunden abhängen am Airport konnten dann doch alle wieder auf die Maschine. Eine riesige Benzinlache wurde gerade noch schnell mit Sand unterm Cockpit weggekehrt – nicht besonders vertrauenserweckend. Beim Abflug war somit schon klar, dass der Anschlussflieger in Bogota unmöglich zu bekommen ist. 
Der Service an Board ließ zu wünschen übrig. Über die Platzverhältnisse und die Beinfreiheit verlier ich mal lieber kein Wort. Sieben Stunden später, mittlerweile Mitternacht landet die Maschine in Bogota. 



Jetzt natürlich noch schön das komplette Programm - Zoll, Passkontrolle, anstellen am Avianca Schalter, Hotel-Voucher abholen, Shuttle zum Hotel, wieder anstellen, einchecken...um 3 Uhr nachts Ortszeit endlich Beine hoch und schlafen.
Morgen gehts nun mittags weiter. Was ich ja fast vergessen hätte, die Dame am Avianca Schalter hielt noch eine "schöne" Überraschung bereit - es gibt morgen keinen Direktflug von Bogota nach Buenos Aires. Jippi. Somit gehts nun über Lima mit 6 Stunden Zwischenstopp nach Buenos Aires. Nun auch noch Peru - wie toll, stand eigentlich gar nicht auf meinem Reisezettel :-)
Mal schauen was morgen für neue Überraschungen auf mich warten?! 

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Ein weiterer aufregender Tag in Los Angeles

Vorab ganz lieben Dank für das viele Feedback. Es freut mich sehr das mein Blog auf Begeisterung gestossen ist. Das regt mich natürlich zum fleissigen bloggen an :-)

Ein weiterer aufregender Tag in der Millionenmetropole Los Angeles neigt sich dem Ende.  Gerne möchte ich Euch auch heute wieder an meinen Erlebnissen teilhaben lassen.

Letztes Jahr habe ich mir eine gebrauchte Vespa gekauft, da ich die Stadt auf andere Weise erkunden und erleben wollte. Ein sehr wagemutiger Entschluß aus heutiger Sicht. Teilweise sind die Strassen durch die ständige Verkehrsauslastung so strapaziert, das Fußball-große Löcher im Asphalt entstanden sind. Bei der kleinsten Unaufmerksamkeit kann es einem dann passieren das man einen Abgang über den Lenker macht, wenn man nicht rechtzeitig diesen Gruben ausweicht. Das ist mir glücklicherweise noch nicht passiert...knock on wood. Das tolle jedoch am Roller fahren ist, die Sonne auf der Haut zu spüren und die verschieden Gerüche der Stadt wahrzunehmen. Eine schöne Erfahrung die ich nicht missen möchte. Ab und an weht einem schon mal ein weed-Geruch beim cruisen ins Gesicht, was ich unheimlich witzig finde. Anscheinend passiert es immer dann, wenn ich an einem der Kush-Doctors-Läden vorbeikomme und davon gibt es reichlich in Los Angeles. California war kurz davor Haschisch zu legalisieren. Jedoch reichten die Stimmen bei der Wahl im November dafür nicht aus. Somit bleibt alles beim Alten. Die Leute gehen zum Kush-Doctor, lassen sich Marijuana medizinisch verschreiben und rauchen es größten Teils gleich vor Ort. Ich wundere mich nur immer wieder aufs Neue was für eine Menge das sein muß, wenn ich das sogar beim vorbeibrausen auf dem Scooter riechen kann.
By the way...Vespas bzw. Scooter sind hier total am kommen....absoluter Trend. Ein weiterer Vorteil für jeden Scooter Fahrer, man bekommt immer eine kostenlosen Parkplatz. In L.A. ein rares Gut !

Gerade komme ich vom Natalie Cole Konzert. Sie sang unglaubliche zwei Stunden in der weltberühmten Disney Concert Hall in Downtown. Trotz Schnupfen und ständigen ins Taschentuch schnauben zwischen den Song, merkte man ihr die Erkältung stimmlich nicht an. Der Saal war gefüllt mit fein angezogenen Fans, die ihr während ihrer ganzen Darbietung großen Respekt entgegenbrachten bis auf eine junge Dame die mit ihrer Mutter direkt vor mir saß. Kurz nach dem Hinsetzen zückten beide ohne ein Wort mit einander zu sprechen synchron ihr Handy, um eventuell eingegangene Emails zu checken. Gaaanz wichtig - immer ereichbar! Madame packt also erstmal ihre dreckigen Boots auf die Balustrade und Frau Mutter vergräbt sich daraufhin noch tiefer in ihren Blackberry. Aus Scham, Ignoranz oder einfach nur den Gedanken im Kopf "jetzt bloß keine Diskussion anfangen, der Mutter-Tochter-Abend wird sicher toll".
Jedes Jahr spenden unzählige Menschen bis zu $ 100.000 für den Unterhalt der Disney Concert Hall. Im Programm war eine Liste aufgeführt mit den einzelnen Beträgen - Wahnsinn. Der Sound ist einzigartig in diesem sonst so futuristischen Gebäude. Ein wahres Sahneschnittchen.
Das Orchester beginn zu spielen. Mrs. Cole betritt in einem langen, wunderschönen Paettenkleid und tippelt mit ihren 15cm hochen High Heels zur Mitte der Bühne begleitet von großem Applaus.  Sie beginnt zu singen, sofortige Stille im ganzen Saal. Während des Abends wandert mein Blick immer wieder zur Dirigentin. Eine gutgelaunte, entspannte füllige Dame, die die Songs stumm mitsingt und eine wahnsinnige Connection zum Orchester hat. Sie schwingt ihre Arme, nickt mit einem Lächeln jedem einzelnen Musiker zu, der seinen Einzatz gleich haben wird. Es scheint als sei es der Soundtrack zu ihrer Arbeit und nicht anders herum. Es war einfach wunderbar ihr bei der Arbeit zuzusehen, die sie augenscheinlich so sehr ausfüllt.
Neben alten Klassikern sang u.a. Natalie Cole ein Duett mit ihrem legendären Vater Nat King Cole via eingespieltem schwarz-weiß Video. Gänsehaut pur. Es folgte ein Song für die jungen amerikanischen Soldaten. Tränen und Betroffenheit im Publikum. Am Ende zwei Christmas Songs um das Publikum wieder in Weihnachtsstimmung zu bringen. Ums nun nicht noch mehr ins Detail zu gehen - kurz und knapp: das Konzert war großartig. Danke an P. auf diesem Wege.



Nur noch zwei Mal schlafen und dann geht es auf große Urlaubsreise....was mir dort wiederfährt und was ich erlebe liest Du nur hier. :-)

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Es ist doch etwas anders die Vorweihnachtszeit in einem warmen Land zu verbringen oder gar dort zu leben. Ich werde dieses Jahr wieder Zeuge, wenn die Strassen von Los Angels mit kitschigen Lichterketten geschmückt werden, aus den Lautsprechern und Radios ein Christmas Song nach dem anderen schmettert, um die Menschen an ihre Pflicht - zu schenken, erinnert werden. Während in Deutschland das Wetterchaos regiert und mir Freunde Temperaturen bis zu -15 Grad melden, flitze ich hier in kurzem T-Shirt rum.
Aus alter Tradition habe ich jedoch einen kleinen Weihnachtsmann bei meinem letzten Deutschland-Besuch mitgenommen, den ich nun jeden Tag eine Räucherkerze spendiere. Ein wunderbarer Duft, der bei mir so sehr Heimat- und Weihnachtsgefühle aufkommen lässt. So einfach kann es sein.
Zum Nikolaus habe ich mir ein neues kleines Spielzeug (30$) gegönnt. Scrabble-Flash - hat bei mir schon Suchtfaktor ausgelöst. Ich versuch es zu beschreiben: das Spiel besteht aus 5 Plastikblöcken mit digitalem Display, auf denen je ein Buchstabe erscheint. Dann legt man die Buchstaben so zusammen, das sie einen Wort ergeben. In einer bestimmten Zeit muß Du so viele Wortkombinationen wie möglich finden. Beim zusammenschieben erkennt Scrabble Flash ob es das Wort gibt und blinkt kurz auf, wenn es zählt. Nach Ablauf der Zeit sieht man wie viele Kombinationen man gefunden hat und wie viele Möglichkeiten es wirklich gab. I love it! Das Ganze natürlich in Englisch - schließlich bin ich ja nicht zum Spass hier ;-) 

Am Sonntag ging`s zum Dinner ins Soho-House in West-Hollywood. Ein wirklich exclusiver Club, den es mittlerweile in vielen Städten auf der ganzen Welt gibt. Ursprünglich wurde der erste Club in London eröffnet, wo die Club-Kultur stärker gelebt wird als irgendwo anders. Nur ein Club Mitglied darf ein anderes nichtmitglied mitbringen oder man brauch 2 Empfehlungen von Mitgliedern und du wirst selber Mitglied. Über den jährlichen Mitgliedsbeitrag schweig ich mich hier mal aus. Geboten bekommt man im Soho-House in Los Angeles neben der wahnsinnigen Aussicht, sehr gutes Essen und leckere Drinks. In einem kleinen Screening Raum werden zu abendlichen Filmvorführungen geladen, teilweise auch vor dem offiziellen Kinostart. Witzig ist die Photo-Box in der man schnieke schwarz-weiß Pictures von sich machen kann, als Erinnerung oder um sie an die Wand vor Ort zu pinnen.
Eine Prominente Begegnung ist hier im übrigen sehr wahrscheinlich. Ein Freund sprach neulich ganz ungezwungen mit Denzel Washington auf der hauseigenen Terasse über seinen Besuch in Deutschland. und er war ganz angetan. Alles ist möglich in Hollywood.






Auf dem Wege muß ich dringend noch Filmempfehlungen weitergeben. Jedoch glaube ich dauert es noch etwas, bis diese Filme in Deutschland erscheinen werden.Somit auf die to-see-Liste schreiben!!! "The King`s Speech" mit einem stotternden, aber wunderbaren und sehr glaubwürdigem Colin Firth als King George VI und seinem Sprachtherapeuten gespielt von Geoffrey Rush. Meiner Meinung werden beide Oscarnominierungen als Haupt- und Nebenrolle erhalten. Der Regisseur Tom Hooper erzählte im Anschluß an das screening, dass seine Mutter für den Film "verantwortlich" sei. Sie hatte ein Theaterstück über den König von England gesehen in einem kleinen, alten Theater. Sie war so angetan das sie ihrem Sohn anrief und sagte "ich habe deinen neuen Film". 
Apropos Academy Award, da sind wir auch gleich bei meiner zweiten Empfehlung - "The Fighter". Die Geschichte ist die eines Boxers. Das bemerkenswerte an dem Film ist der Cast. Christian Bale in den ersten Szenen fast nicht wieder zu erkennen spielt sich "die Seele aus dem Leib". Er hat mich wahnsinnig beeindruckt mit seiner Leistung.
Gestern hab ich auf dem Weg in den Kinosaal im Gedrängel fast Mr. Spiderman (in Wirklichkeit eher der kleine Tobey Maguire) umgerannt. Keiner schenkte ihm Beachtung, da alle im Kopf schon auf Javier Bardem  eingestellt waren, der im Anschluss an "Buitiful" noch ein Q&A gab. Kreischende, erwachsene Damen in den Sitzreihen, trotz absolut feiner Ticket-Auslese. Ich war etwas überrascht.


Leider war "Buitiful" nicht besonders beeindruckend, ebenfalls als Oscar-Beitrag (ausländischer Film) gehandelt. Schwere und tragische Geschichte. Sehr lang, zu viel Handlungsstränge und die wichtigen Charaktere hingegen teilweise zu wenig ausgeführt. Jedoch überzeugt Javier in seiner Rolle als Vater sehr, das wertet den ganzen Film unheimlich auf. 

Du wurdest gerade Zeuge meiner ersten Zeilen hier im Blogs. Danke fürs lesen und auf baldo...