Dienstag, 6. September 2011

Ein Tagesausflug zu „America´s finest city“.



Wenn man sich mal für einen oder zwei Tage von Los Angeles „erholen“ möchte, gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Anders als in anderen Städten dieser Erde ist man in 2-3 Stunden von L.A. aus in den Bergen zum Ski laufen oder Klettern, in der Wüste oder an einem der einsamen Strände der Küste entlang – was will man mehr? Ich finde diese Vielfalt immer wieder faszinierend, auch wenn L.A. an sich schon so viel zu bieten hat, dass man jeden Tag was Neues erleben und entdecken kann. Manchmal zieht es mich dennoch aus der Stadt.
Neben dem entzückenden Santa Barbara, was nördlich von L.A. an der Küste gelegen und als eine der reichsten Städte Amerikas bekannt ist, zählt für mich San Diego mit zu den Must-sees wenn man länger in L.A. ist.

So machte ich mich am Mittwoch zeitig am Morgen mit meiner Mutter und meinen beiden Schwestern auf zu „America´s finest city“, wie San Diego von seinen Bewohnen auf Grund des angenehmen Klimas genannt wird. Alle mit anderen Erwartungen und Zielen im Kopf. Los Angeles ist vom „Coastal Eddy“ noch ganz nebelig als wir uns auf den Weg machen. Die Sonne hat Mühe sich durch die Wolken zu kämpfen und es gelingt ihr nur vereinzelt. Während meine Schwestern auf der Rückbank tüfteln, wann sie sich beim Sightseeing am besten ausklinken und mit der Bahn nach Tijuana rüber fahren, gehen meine Mutter und ich schon mal die zu besichtigenden Highlights San Diegos durch.
Für diejenigen von Euch, die es nicht wissen, San Diego ist eine halbe Stunde von der mexikanischen Grenze entfernt und Tijuana (aus Funk und Fernsehen ausreichend bekannt) liegt direkt auf der anderen Seite. 


Bei meinem ersten Besuch hielt der Taxifahrer vor einem Nachtclub, jedoch war es helllichter Tag und ich hatte ihn auch nicht darum gebeten. Er und die Türsteher waren sichtlich geknickt als mein Freund und ich nicht einkehrten. Na ja, anyways. Meine Mutter hatte aus Vorsicht schon mal ihren Pass in L.A. gelassen, so konnte sie getrost jeder Diskussion aus dem Weg gehen. Das schöne bei der Fahrt nach San Diego ist, das man einen Grossteil der Strecke am Strand bzw. dem Ozean entlangfährt. Der erste kurze Zwischenstopp wird aufgrund kurzen Zurufens von der Rückbank eingelegt - „Stopp, Anhalten - Surferboys!“ Gesagt, getan. Der Nebel hat sich etwas verzogen, und es weht ein angenehmes Lüftchen, als wir aus dem Wagen steigen und auf den 10 Meter entfernten Strand zulaufen. Einfach nur angenehm. Ein paar geknipste Fotos später geht die Reise weiter. Nächster Halt Carlsbad (wie die Stadt in Tschechien). Leider bleibt uns keine große Zeit, um uns umzuschauen, schließlich haben wir ja noch einiges vor uns. Wir kehren zum Frühstück ins „Daily News Cafe“ ein. Fast alle Plätze sind besetzt, somit ergattern wir nur einen Tisch im Innenbereich, aber immerhin. Die Kellnerin Darcy ist sehr freundlich und drückt bei der Bestellung aus dem Lunchmenü ein Auge zu, obwohl dieses erst in 30 Minuten available wäre. Pluspunkt gesammelt und notiert, denk ich so bei mir als die reichlich gefüllten Teller zu unserem Tisch gebracht werden. Die Portionen sind mächtig, aber gut, das ist man ja in den USA eigentlich so gewohnt. So kämpfen wir uns durch die Berge aus French Toasts, Huevos Rancheros und Pancakes. Die Teller werden einmal im Kreis getauscht bis diese schlussendlich fast leer geputzt sind. Mit dicken Bäuchen rollen wir uns zurück ins Auto. Als kleiner Tipp zu Carlsbad, wenn Ihr halt macht, bringt etwas mehr Zeit mit und stattet dem Premium Outlet einen Besuch ab. 
Unser erstes Ziel in San Diego ist Old Town, was angeblich der Geburtsort von Kalifornien ist. Heute noch stehen hier Adobehäuser aus dem 18.Jahrhundert, die den Touristen einen Eindruck über den hispanischen Ursprung vermitteln sollen. Wirklich nett anzusehen. 



Eine absolute Touristenattraktion und deshalb auch mit zahlreiche Restaurants und Souvenirshops ausgestattet, aber süß gemacht. Mittlerweile ist es 12 Uhr Mittags und wir entschließen uns, das Auto in Old Town stehen zu lassen (was im Übrigen kostenfrei ist – so was ist man ja aus L.A. gar nicht mehr gewohnt). Wir entscheiden uns für den Trolley-Bus, der von hier aus halbstündig fährt und der einen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt bringt. http://www.trolleytours.com/san-diego/

An den jeweiligen Stationen kann man aus- und wieder zusteigen, bis man wieder in Old Town angelangt. Allein um an allen Stationen auszusteigen und sich etwas Zeit zu nehmen, braucht man Minimum einen ganzen Tag, ich tendiere eher zu zwei oder drei Tagen. Während der Fahrt erzählt der Busfahrer fleißig aus dem Nähkästchen, was er alles über San Diego weiß und natürlich nur heute an seine Gäste weitergibt.
Pro Nase bezahlt man 34 Dollares, was es aber wert ist, wie ich finde. Als letzte Passagiere springen wir gerade noch auf den abfahrenden Trolley. Im hinteren Bereich des Busses sind die Fenster offen, so dass während der Fahrt für gute Durchlüftung gesorgt ist. Am Hafen und Seaport Village vorbei, geht es zum Gaslamp Quarter. Hier hüpfen wir von Bord. Diese liebevoll restaurierten, alten Häuser, die in diesem Viertel stehen sind ein absoluter Blickfang.   Noch heute sind die Gaslampen am Straßenrand in Betrieb und runden das schöne Gesamtbild der Straßenzüge ab.








Nach einem ausgiebigen Spaziergang im Gaslamp Quarter stellen wir uns an der Trolley-Haltestelle in die Schlange der Mitwartenden und drücken die Daumen, dass genug Leute von Bord gehen, dass wir wieder aufgenommen werden. Das Glück ist mit uns. Witzig, das man gleich den Unterschied zwischen Amerikanern und Touristen in so einem Fall merkt. Die Amerikaner fragen meist wer der Letzte in der Schlange ist und stellen sich brav hinten an, hingegen der „stinknormale“ Tourist schaut nach seinem eigenen Vorteil und drängelt sich schon mal unauffällig vor, um doch noch an Bord zu gelangen. Tja, die kleinen aber feinen Unterschiede.
Im Vorbeifahren sehen wir das riesige Convention-Center, wo jährlich u.a. die heiß begehrte „Comic Con“ (internationale Comic-Messe) stattfindet und das Petco Stadion, in dem die San Diego Padres von 42.000 Zuschauern angefeuert werden können. Die Stimmung im Trolley ist ausgelassen, es wird fleißig nach allen Seiten fotografiert, während der Fahrer unentwegt weiter moderiert. Eines der Wahrzeichen der Stadt ist die Coronado Bridge, die bereits 1970 mit dem „Beautiful Bridge Award“ ausgezeichnet wurde – hört,hört. Und wenn wir schon mal bei unnützem Wissen sind, die Coronado Bay Bridge ist nach der Golden Gate Bridge, die Brücke mit den meisten Selbstmorden. 


Ich bin sehr froh, dass ich nicht auf der rechten Seite des Trolley sitze, meine Schwester, die eben noch froh war einen Fensterplatz ergattert zu haben, gibt einen kurzen Aufschrei von sich und hält sich die Augen zu. Der Blick in die 61 Meter Tiefe hat ihre Höhenangst in einem Bruchteil einer Sekunde wieder hervorgerufen. Eine wahnsinnige Konstruktion. 3,5 km schlängelt sich die Brücke über den San Diego Bay und verbindet Festland und Insel Coronado miteinander. Wem das zu viel ist, der kann auch mit der Fähre übersetzten.


Allein Coronado ist schon ein Tagesausflug wert, das wussten auch schon Jack Lemmon, Tony Curtis und Marilyn Monroe zu schätzen, als sie hier 1958 „Manche mögen´s heiß“ im Hotel del Coronado  http://www.hoteldel.com/ drehten. Meine Mutter und ich stiegen voller Vorfreude auf das schöne Hotel, den Ort und den längsten Strand Kaliforniens aus dem Trolley. Meine Schwestern bleiben sitzen, um sich noch auf den Rückweg nach Old Town und von dort aus mit der Bahn nach Tijuana aufzumachen.
Ein Blick auf die Uhr verrät uns, es bleiben uns zwei Stunden bis der letzte Trolley (5 pm) nach Old Town fährt. Eigentlich viel zu wenig Zeit, um sich alles anzusehen. Wir laufen von der Station rüber zum Hotel del Coronado, was direkt am Strand gelegen ist. 




Wir schauen uns kurz um, was für ein entzückendes, charmantes Hotel. Eins der letzten erhalten gebliebenen hölzernen, victorianischen Luxus-Strandhotels. Sicher ist es ein absolutes Dicknasen-Hotel, aber ich mag´s. Wir entscheiden uns, gediegen zum späten Lunch einzukehren. Auf der offenen Terrasse des hoteleigenen Restaurants lassen wir uns von der Kellnerin einen kühlen Weißwein empfehlen und lassen unseren Blick über den Pazifik schweifen. Zur kleinen und leichten Stärkung bestellen wir einen Spinat-Salat mit karamellisierten Birnen und Pecannüssen, dazu im Ofen gebackenen Ziegenkäse mit zweierlei Pesto und Ciabatta. Mir läuft gerade das Wasser im Mund zusammen, als ich es für Euch aufschreibe. Super lecker. Um es mit dem Visa-Werbespruch zu sagen – Unbezahlbar! Die Zeit verrennt im Nu und wir kommen nur noch dazu dem Foyer kurz einen Besuch abzustatten, dann müssen wir schon zur Trolley Station flitzen. Auf der „Rücktour“ kommen wir noch am Balbao Park  , dem Zoo  (mit 4000 Tierarten und 40 Hektar Fläche einer der größten der Welt) und Little Italy (wo es unzählige Restaurants gibt) vorbei. 
Balbao Park

Gerne wäre ich überall ausgestiegen, aber das muss ich dann wohl beim nächsten San Diego Besuch verwirklichen. Diese Mal erwischen wir einen Busfahrer der die Lautstärke etwas sehr hoch eingepegelt hat und in einer monotonen Art seinen Text runter leiert, das mir sinnbildlich nach 5 Minuten die Ohren bluten, während sich die Damen hinter mir genüsslich auf die Schenkel schlagen und alles „so funny“ finden. Ich hätte dem Guten am Ende der Tour gern etwas Tipp aus seinem Trinkgeldeimer wieder raus genommen für diese Dauer-Belästigung. Aber gut, beim nächsten Mal dann. In einem warmen Licht der untergehenden Sonne färben sich die hispanischen Häuser von Old Town und bekommen einen wunderbaren Look. 




Durch die Souvenirläden bummeln wir noch, um die Zeit bis zur Ankunft meiner Schwestern aus Tijuana zu überbrücken. 





Hoffentlich ist alles gut gegangen denk ich so bei mir, als mein Handy klingelt. Die beiden sind wohlbehalten auf dem Rückweg nach Old Town und treffen in 30 Minuten ein. So schlendern wir zurück Richtung Auto, mittlerweile ist die Sonne bereits untergegangen. Ein Laden erweckt mein Aufsehen, weil er anders ist als alle anderen. Und siehe da eine absolute Entdeckung. Die Betreiberin des Ladens bemerkt unser Interesse, und wir kommen sofort ins Gespräch. Natürlich verlassen wir den Laden nicht ohne etwas zu erwerben. Beim nächsten San Diego-Besuch steht der Laden erneut auf meiner To-do-Liste.  http://www.fourwinds.signonsandiego.com/






Erschöpft und glücklich machen wir uns allesamt auf die Rückreise nach Los Angeles.

Ein wunderbarer Ausflug, den ich sofort wiederholen würde. Danke an die Reisegruppe :-)

Das war´s mal wieder kurz und knapp.
Danke für`s Lesen und auf baldo,

Eurer Echo Girl

Samstag, 25. Juni 2011

Jimmy Peanut und der Präsident


Die wunderbare Stadt New Orleans im Rücken geht die Reise weiter in den Bundesstaat Georgia. Über die Orte Slidell, Mobile und Montgomery ins 700 km entfernte Plains. 

Ein kleiner Ort mit gerade mal 637 Einwohnern. Jedoch ist darunter eine Berühmtheit, die hier geboren und aufgewachsen ist – Jimmy Carter, Friedens-Nobelpreisträger und der 39.Präsident der Vereinigten Staaten (1977-1981). 

Die Gemeinde ist ganz entzückend, das ist sicher auch der Grund, warum Carter nach seiner Amtszeit im Weißen Haus wieder hierher zurückkehrte und auf seiner Erdnussfarm mit Ehefrau Rosalynn den gemeinsamen Lebensabend verbringt. Ein dunkles, großes Unwetter ist uns schon seit dem Morgen auf den Fersen und bricht beim überqueren der Ortsgrenze schlagartig über uns herein. Wir retten uns in eine alte Schule, die heute als Jimmy Carter-Museum dient. Die Dame am Empfang bedankt sich, dass wir den Regen mitgebracht haben, da sie eine so lange Trockenzeit hinter sich haben, ist dies nun ein Segen. Neben den zahlreichen Ausstellungsstücken wird in der Aula ein Dokumentations-Film über den Aufstieg, den Wahlkampf und die Person Jimmy Carter gezeigt. Wirklich schön zusammengetragen und erzählt. Die Gemeinde Plains war beim Wahlkampf 1976 eine wahnsinnig treibende und helfende Kraft an der Seite des angehenden Präsidenten. Das erklärt auch seine Verbundenheit zum Ort und den Menschen. An einem Sonntag im Monat hält Jimmy in der Kirche den Gottesdienst ab, so wird uns berichtet. Ach, wie amerikanisch - toll.

Ein weiteres Highlight von Plains ist eine 14 Fußgroße grinsende Erdnuss, auch „Jimmy Peanut“ genannt. Das Magazin „Time“ wählte es unter die Top-50-Roadside-Attractions Amerikas. Meine Mutter fand das Foto von mir und Mr. Peanut ganz gruselig – ich bin weiterhin begeistert.

Billy Carter, der Bruder von Jimmy, betrieb damals eine Tankstelle, von der er immer Interviews in die Welt gab, wenn mal wieder nach seiner Meinung gefragt wurde. Auch diese ist erhalten und kann besucht werden. 


In den aneinander gereihten Geschäften auf der Hauptstraße fühlt man sich zurück katapultiert in die 70er-Jahre. Mir gefällt das, und ich stöbere mich durch zwei der Läden. 







Mir werden zum Probieren geröstete Erdnüsse gereicht und Erdnuss-Eiscreme angeboten, die ich dankend ablehne. Die Erdnüsse sind so lecker, dass ich gleich zugreife und ein paar Tüten als Reiseproviant einkaufe. Da ich ja immer noch „altmodisch“ Postkarten schreibe und an meine Lieben daheim versende, suche ich das örtliche Post Office auf. Die Dame im Museum hatte mich darauf hingewiesen, dass man auf Nachfragen einen besonderen Ausgangsstempel der Stadt Plains auf die Ansichtskarten gedrückt

bekommt – na wenn schon denn schon. www.plainsgeorgia.com  
Nun wird es nach der ganzen Reiserei mal Zeit in Richtung Strand zu fahren, aber dazu mehr im nächsten Blog. 


Das war´s mal wieder kurz und knapp.
Danke für`s Lesen und auf baldo,

Eurer Echo Girl

Montag, 20. Juni 2011

New Orleans, Brutus und Brad Pitt



Im Visitor-Center, das wir als erstes in New Orleans ansteuern, berät uns eine schnieke herausgeputzte, ältere Dame. Nach reichlich Hinweisen für unseren mehrtägigen Aufenthalt erkundigt sie sich nach unserer Herkunft. Als wir „We are from Germany“ hervorbringen, wechselt sie sprachlich sofort ins Deutsche. Kurze Sprachlosigkeit bei uns und neugieriges Nachhaken erfolgt. Von Westpreußen und Mecklenburg war sie über Kalifornien nach New Orleans gekommen, das sei aber schon so lange her, berichtet sie. Wir bekommen noch ein paar Insider-Tipps von ihr und eine Hotel-Empfehlung. Wie immer hatten wir vorher nichts reserviert oder gar gebucht. 
Visitor Center New Orleans
Wir folgen der Empfehlung und fahren zum „Hotel Chateau“ ins French Quarter, dem touristischen Viertel in der Stadtmitte. Niedrige Häuser im französischen Stil und mit bepflanzten Balkonen säumen die Straßen. Das erinnert mich stark an Cartagena in Kolumbien. Eine angenehme Atmosphäre – Kutschen fahren durch die schmalen Einbahnstraßen, Bars und Restaurants laden zum Verweilen ein, und die Sonne scheint einem dabei zuzusehen.









Im „Chateau“ schauen wir uns erst das Zimmer an, was uns zu einem super Deal angeboten wird. Ein heller Raum in der 2. Etage mit kleinem Balkon, auf dem sogar ein Tisch mit zwei Stühlen steht. Im Hof gibt es einen Pool. 






















Das Personal ist nett und hilfsbereit. Mit dem Vermerk, dass wir vom Visitor-Center kommen, werden uns die Valet Parking-Kosten erlassen, was uns sehr freut. Neugierig, unseren neuen Kiez zu erkunden, stromern wir los. Nach den letzten etwas Menschen leeren Städten freue ich mich nun richtig wieder, Leute zu sehen und ins Gespräch zu kommen. Nach einer Woche Travel müssen endlich mal ein paar Klamotten gewaschen werden. An der Rezeption wird uns eine Waschsalon-Adresse in die Hand gedrückt. Schon nach wenigen Schritten die Straße hinunter bilden sich die ersten Schweißperlen auf dem Rücken. Das Klima ist gewöhnungsbedürftig. Die Luftfeuchtigkeit soll im Juni im Gegensatz zu den folgenden Sommermonaten am Erträglichsten sein. Da kann ich nur sagen, im Juli oder August möchte ich dann lieber nicht hier sein.


Der Waschsalon ist echt interessant. Ein ehemaliges Musik-Studio, in dem jetzt die Waschmaschinen den Ton angeben. Viele dieser sind außer Betrieb.



















Der Besitzer ist sichtlich gechillt und scheint an der Situation so schnell auch nichts ändern zu wollen. Ich liebe ja Waschsalons, die haben so was Beruhigendes für mich. Alles braucht seine Zeit und man muss sich in Geduld üben.
Am Abend folgen wir der zweiten Empfehlung der älteren Dame vom Visitor-Center. Im „Snug Harbor“ www.snugjazz.com , einem angesagten Jazz-Bistro, tritt heute die R´n`B Sängerin Charmaine Neville & Friends auf. 

Die Vorstellung ist komplett ausverkauft. Sehr unterhaltsam führt Charmaine mit ihrer Band durch den Abend. Sie jammt sogar mit zwei jungen Musikern, die im Publikum sitzen und sich spontan auf die Bühne bitten lassen. Die 15$ pro Nase waren definitiv gut investiert.

Glücklicher Weise sind die Temperaturen etwas gesunken, so dass es angenehm ist, durch die Straßen zurück in Richtung Hotel zu spazieren. Einen kleinen Abstecher machen wir auf die Bourbon Street, die auch im French Quarter liegt. Eine absolute Baller-Straße. Für den Verkehr am Abend gesperrt, ziehen hunderte Touristen allabendlich durch die etlichen Bars und Restaurants. Bis in die frühen Morgenstunden kann hier á la Vegas gefeiert und getrunken werden. 




Bei unserem Schlendern entdecken wir am Ende der Bourbon Street die angeblich älteste Bar der Welt. Na ja klingt etwas dicke, ich weiß, aber da nichts Gegenteiliges belegt ist, lass ich das hier mal so stehen. www.lafittesblacksmithshop.com  



„Lafitte´s Blacksmith Shop Bar“ lockt uns auf einen Absacker ins Innere. Mir fällt ein schummrig beleuchtetes Piano auf, um das einige Leute sitzen, und die einem Musiker beim Klavierspielen und Singen lauschen. Schnell schnappen wir uns zwei Barhocker und gesellen uns zur Runde. 


Wie bei einer Art Privat-Konzert spielt der Musiker Songs auf Wunsch der Gäste. Echt cozy. Nach einem Absacker sind wir knülle vom Tag und verschwinden fix ins Hotel.

Die „Natchez“ ist einer der letzten Schaufelrad-Dampfer, die auf dem Mississippi noch fahrender Weise unterwegs sind. Ich kann das gar nicht glauben, dass diese so typische Art der Fortbewegung bei Touristen als Reise nicht mehr gefragt ist. So gab es bis vor kurzem noch eine einwöchige Tour von Memphis den Mississippi runter bis nach New Orleans. Das hätte ich so gern gemacht. Sicher wunderbar. Um dennoch ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist, steigen wir auf die „Natchez“ für eine zweistündige Bootstour (24.50$ pro Ticket). Man kann im Schatten auf dem Deck sitzen und einen Cocktail schlürfen, Lunch im Speisesaal bekommen, den Maschinenraum besichtigen, im Gift-Shop stöbern oder sich einfach den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Ich entscheide mich für letzteres und beobachte die Uferlandschaft. 


Lunch
Lunch-Time
Maschinenraum

Die Spuren vom Hurrikan „Katrina“ im Jahr 2005 sind zum Teil immer noch sichtbar. Beängstigend mit welcher Naturgewalt dieser hier gewütet hat.



Die zwei Stunden sind so schnell vorbei und wir hätten Lust noch weiter zu schippern. Ein echtes Erlebnis, was man nicht missen sollte, wenn man in New Orleans ist.
Mein absolutes Lieblingsbild aus New Orleans.
Zum Lunch soll es heute was Besonderes sein, deshalb kurz mal den Tripadvisor befragt und siehe da, es wird uns Lokal mit kreolischer Küche empfohlen, was uns sehr neugierig macht. Grad noch rechtzeitig kommen wir im „Blue Plate Café“ an. Da sie lediglich Breakfast und Lunch servieren, schließt das Restaurant um 3 pm. Es scheinen sich nicht so viele Touristen hierher zu „verirren“, eher die Locals gehen hier essen. Mir läuft beim Lesen des Menü schon das Wasser im Munde zusammen. Frisch und experimentell scheint die Küche zu arbeiten und trotzdem traditionell. Ich reiß mich zusammen und bestelle trotzdem nur ein Gericht.


Gegrillte Shripms auf einem Minz-Melonen-Salat
Quesadilla nach Kreolischem Rezept
Unvergesslich lecker.
Zu Fuß schlendern wir durchs Warehouse-Viertel zum Riverwalk, einem Einkaufzentrum, was am Ufer des Mississippi liegt.



Langsam merke ich trotz Sonnencreme die Hitze auf meinem Rücken brutzeln. Die Bootsfahrt und der Spaziergang haben sichtliche Spuren hinterlassen. Genug für heute und ab an den Hotel-Pool.

Der Wecker klingelt mich um 8 Uhr aus dem Bett. Angeblich ist es morgens am Besten, eine der zahlreich angebotenen Swamp-Touren zu machen, dann ist es Temperatur mäßig erträglich. Da der Shuttle 20$ pro Person mehr kostet, fahren wir lieber selbst mit unserem Auto zum 40 Meilen entfernten Sumpfland. Die Tickets hat unser Hotel für uns telefonisch reserviert. Somit müssen wir nur noch pünktlich um 9.30 Uhr vor Ort sein. Das gelingt uns gerade so, auf die Minute erreichen wir den Hof. 


Auf dem Flyer wird groß die umweltfreundliche Tour beworben, was sich für mich sehr gut anhört. Umso mehr verwundert es mich, dass unser Scout die Alligatoren (die im Übrigen alle Namen haben) mit Marshmallows und Würstchen anlockt und füttert. 




Tja, nun ist es zum Umkehren zu spät, aussteigen und zurück schwimmen kommt nicht so Recht in Frage, also einfach durchhalten. Unser Scout quatscht das natürlich alles schön und erklärt, dass sie von den kleinen Happen ja nicht satt werden und trotzdem ihrem Jagdinstinkt nachgehen müssen. Während der Weiterfahrt, gefühlte 5 angelockte und gefütterte Krokos später, erzählt der Scout, das sie vor Winterbeginn ein Schwein zum Fraß frei ließen. 
„Brutus“, der mit 50 Jahren der Älteste hier lebenden Kroko in der Area ist, hat drei Wochen gebraucht, bis er es zum Erliegen brachte. 
Das is´er, der Brutus!
Wie bitte? Hab´ich das gerade richtig gehört? Ja, somit würden sie die Alligatoren vor den Jägern schützen, die sich hier rum treiben. Also für mich hört sich das alles nicht sehr schlüssig an. Vielleicht war ich da etwas zu naiv. Ich glaube das war meine letzte Swamp-Tour. 
Über die Landstraße fahren wir zurück nach New Orleans. Von einer Brücke aus sehen wir neue Häuser mit Solardächern. 

Das Wohngebiet „Lower Ninth Ward“ wurde von „Katrina“ zu 80% zerstört und wird von der Nonprofit-Foundation „Make it right“ nun wieder aufgebaut. Ins Leben gerufen wurde sie von Brad Pitt.
13 internationale Architekturbüros, darunter auch das Berliner Büro GRAFT, wurden beauftragt, um lokale Bautradition und moderne Technik (wie z.B. den Einsatz mit Solarzellen) miteinander zu verbinden. 75 der angestrebten 150 flutresistenten Häuser konnten bereits fertig gestellt werden. 




Es ist wirklich toll zu sehen, dass es wieder bergauf geht. Dank der Hilfe und Spenden aus der ganzen Welt, wird dies möglich gemacht.  http://www.makeitrightnola.org/


Das war´s mal wieder kurz und knapp.
Danke für`s Lesen und auf baldo,

Eurer Echo Girl