Montag, 2. Mai 2011

1.Mai, Rimowa und ein bunter Traum

Wieder sind ein paar Tage ins Land gegangen, viel gesehen und erlebt.



Am Sonntag,dem 1.Mai stand ein großer und von langer Hand geplanter Termin an. Trödelmarkt am Mauerpark. Ein Jahr lang sammelt sich der Tinef nun schon in meinem Keller an. Jetzt war es Zeit für einen Befreiungsschlag. Während alle schon schön in den Mai tanzten, packte ich die Kisten zusammen, belud mein Auto und ging zeitig zu Bett. Tja, da hieß es Opfer bringen.
Pünktlich um 7.30 Uhr morgens steht meine Mutter bereits vor der Tür. Gut gelaunt und voller Tatendrang machen wir uns auf den Weg. Es ist noch etwas frisch,aber die Sonne scheint. Es verspricht ein toller Tag zu werden. Bei der Standvergabe haben wir Glück und können unsern Krempel am Anfang des Marktes aufbauen. Erst da wird das ganze Ausmaß sichtbar, was sich sooo lange in den Kisten verbarg. Die ersten early birds sind bereits auf den Beinen und durchwühlen eigenständig die Kisten der Standbetreiber. Schlechte Angebote werden unterbreitet und einige davon auch ausgeschlagen. Neben uns eine junge Frau, die Sachen ihrer Oma verkauft, aber null Bock darauf hat, da sie sichtbar gezeichnet war vom Tanz in den Mai. Siehste, denk ich bei mir, war doch gut die etlichen Einladungen für den Vorabend auszuschlagen, denn so gibt sie keine gute Verkäuferin ab. Aber das wird sie später selber merken und frustriert aufgeben.
Ein Highlight ist ein kleiner Junge der genau weiß was er will und gezielt auf meine uralte Playstation zusteuert. Die hatte ich damals im England-Fieber mit der Nationalfahne versehen. Dies versuchte der Knirps als Manko auszumachen und wollte bei 5 Euro noch weiter feilschen. Ich sagte ihm das es somit eine limitierte Version ist und kein andere so eine besitzen wird – Beckham wird sicher wieder IN... irgendwann....vielleicht!? Das schluckt er, checkt die dazugehörigen Kabel erneut. Seine Mutti nickt ihm aufmunternd zu. Daraufhin zückt der aus seiner Brusttasche am Sonntags-Hemd einen Fünf-Euro-Schein und reicht ihn mir über den Verkaufstisch. Per Handschlag wird das Geschäft noch besiegelt und der Kleine zieht mit Mutti stolz von dannen. Immer wieder kommen Kinder an unseren Stand, denen ich kleine Dinge, die ihre Aufmerksamkeit erregen, schenke. Wären wir jetzt bei einer Kreditkarten Werbung würde ich sagen „unbezahlbar“.
Nachdem der erste Trubel vorbei ist, wird mal kurz durchgeatmet, Pausenbrote ausgepackt und ein warmer Tee geschlürft. Das schöne am Trödelmarkt ist das Publikum. So bunt gemischt. Jung und alt, Pärchen, Singles, Touristen und Einheimische. Ideal um mal drüberzuschlendern, auch wenn man keine Kaufabsicht hat. Als langjähriger, guter Verkäufer gelingt es mir das ein oder andere an den Mann oder an die Frau zu bekommen. Kaum ist was verkauft wandert neues aus den noch nicht ganz leeren Kisten auf den Tresen. Unsere Angebotspalette bietet von Gläsern, Brettspielen (die heute komischer Weise komplett aus der Mode sind), elektronischen Geräten bis hin zu wirklich unnützem Kleinkram alles.
Leider sitzt der Euro nicht so locker wie auf anderen Märkten. So wird bei meiner Lederjacke, die ich 1992 von meinem mühsam gesparten Taschengeld in NY gekauft habe von 15 Euro auf 12 runtergehandelt. Das Furzkissen wandert in die zu-verschenken-Kiste, zusammen mit vielen anderen unnützen Sachen, die aber reißenden Absatz finden.
Um 17 Uhr lässt der Besucherstrom nach und wir entscheiden zusammenzupacken. Am Ende des Tages bin ich platt, aber glücklich. Gelohnt hat es sich auch. Abzüglich der 30 Euro für den 1A überdachten Holzstand bleiben 220 Euro hängen. Da kann man doch nicht meckern.


Mein geliebter Rimowa-Koffer, der mich Schritt und Tritt auf allen Reisen begleitet, hat sich beim letzten Ausflug bemerkbar gemacht und eine Schraube von sich geworfen. Die erste „Macke“ nach nun mehr drei Jahren. Voller Sorge sendete ich Hilfe suchend eine Email an den Kundenservice. Dieser nennten mir eine Werkstatt in Berlin, die mir den Koffer gern reparieren, kostenfrei versteht sich, oder mir das Ersatzteil zusenden.
So mache ich mich heute auf die „Reise“ mit meinem leeren Köfferchen zu „Witt“ am Kleistpark. Beim Betreten des Ladens wird mir von einem Monteur sofort mein Reisegepäck abgenommen und mit Kennerblick beäugt. Ein kurzes „Es hat sich `ne Schraube gelöst“ von mir, bringt ihn auf die richtige Spur. „Ahhhh, warten ´se kurz, dit mach ick ihnen gleich ferdisch“. Super, denk ich bei mir, das ist mal ein Service,, den ich mag, und nicht das so übliche „Oh, das Teil hamm wa nich da – müssen wa dann einschicken, dauert ca. 8 Wochen“. Wo man sicher weiß, dass es dann mindestens 10 Wochen dauert, man selber noch mal anrufen und nachfragen muss, was nun mit der Reparatur ist. Ich vertreibe mir die Zeit, indem ich mir das riesige Angebot des Ladens in Ruhe ansehe. Für jeden Reisenden was dabei.

Als der Typ mir nach fünf Minuten mein Köfferchen wieder bringt, lass ich noch kurz fallen, dass das eine Schloss manchmal klemmt. Daraufhin verschwindet er gleich wieder mit meinem silbernen Reisebegleiter. Etwas überambitioniert....hmmm, aber wenn ich schon mal hier bin. Weitere fünf Minuten später blinken zwei neue Schlösser an meinem Rimowa. Cool, ich bin total happy. „Wozu sind denn die Schlösser über dem Zahlenrätchen?“ frage ich ihn – „für den Zoll, die haben einen Schlüssel um das Zahlenschloss außer Kraft zu setzen“. Wow, das ist mir neu – gut zu wissen, war der Tag mal wieder nicht umsonst. „Jeder Zollbeamte auf der ganzen Welt hat einen Schlüssel“, hake ich nach. „Na wer keen hat, bricht dit Schoss einfach uff, so einfach is dit“, erwidert er. Ich bedanke mich für den tollen Service, der mich Dank meiner 5-Jahres-Garantie nichts gekostet hat. Nach der im übrigen keiner gefragt hat. Also Applaus. Sehr jut gemacht. 


Trotz des schlechten Wetters entscheide ich mich zum Kudamm weiterzufahren und etwas zu shoppen. Seit langer Zeit statte ich dem KaDeWe mal wieder einen Besuch ab. Jedoch merke ich schnell, dass das keine so gute Idee war. Ich hatte ganz vergessen, mit welcher Arroganz die Verkäufer/innen mit den Kunden umgehen, die keine goldene Rolex tragen und im russischen Akzent nach der Kasse fragen. Diese Unfreundlichkeit und überhebliche Art bringt mich um meine Kauflust. Auf dem schnellen Weg nach draußen, bleibe ich in der Eingangshalle vor einer großen, gläsernen Vitrine stehen. Wie hypnotisiert blicke ich auf den präsentierten Schatz. Schon als Kind habe ich davon geträumt, aber so einen nie bekommen. Ums nicht zu spannend  zu machen, löse ich mal auf, was vor meinen Augen zu sehen war. Faber Castell hat seit heute eine Sonderedition auf dem Markt. 250 Jahre Faber Castell. Ein riesiger Koffer mit allen Zeichen- und Malstiften die sich ein (Hobby)Künstler nur vorstellen kann. Da die Firma im Jahre 1761 gegründet wurde, ist der tolle Koffer auf 1761 Stück limitiert und kostet schlappe 1250 Euro.


Ich hab mir das auf der Heimreise ausgerechnet. Wenn jeder von meinen Blog-Lesern einen Euro spenden würde, könnte ich mir den Traum erfüllen oder ich biete Faber-Castell an eine Werbeanzeige auf meinem Blog zu schalten. Was meint ihr dazu?

Nach der ganzen Aufregung schländere ich hungrig bei Mc Donald`s rein und pralle fast gegen einen Automaten. Was macht der denn hier, und wofür ist der?

„Easy Order“ nennt sich die neue Art der Bestellung am Automaten. Neugierig wie ich bin, muss ich das gleich mal ausprobieren. Via Touchscreen bestellt man und das wirklich easy. Große Bilder und Zahlen führen durchs fixe Bestellmenü. Erst wählen was man grundsätzlich mag, Burger, Süß oder Specials. Bei der Wahl eines Burgers werde ich gefragt, ob einzeln oder mit Menü, welches Getränk – alle Wahlmöglichkeiten werden mir via Bild angezeigt, und ich tipp auf das, was ich mag. Pommes oder Salat als Beilage. Selbst die Mayo oder den Ketchup zu den Pommes ordert man per Druck auf den Bildschirm mit. Per Kreditkarte oder EC-Karte lässt sich am Ende problemlos bezahlen. Der Automat spuckt eine Quittung aus. 


Während die anderen Wartenden schön brav in einer ewigen Schlange stehen, flitze ich mit dem ausgedruckten Beleg zum leeren Easy-Order-Schalter. Keine zwei Minuten später habe ich mein Menü dampfend aufm Tablett. Schon pfiffig, aber auch traurig. Dann wird’s irgendwann gar keine gruseligen Geschichten von Leuten geben, die bei Mc Donalds oder Burger King gearbeitet haben. Menno. Dabei mochte ich die immer so sehr, aber der Fortschritt lässt sich leider nicht aufhalten.
Gesättigt und etwas entspannter gehe ich meinem eigentlichen Vorhaben nach - dem Shoppen. Peek & Cloppenburg, da will ich rein. In Amsterdam, wo ich neulich für ein paar Tage war (Blog dazu ist in Arbeit) bin ich bei „Maison Scotch“ auf den Geschmack gekommen. Eine coole Klamottenmarke, genau nach meinem Gusto. Angenehme Stoffe, tolle Schnitte und die Preise sind okay. Anscheinend bin ich nicht die Einzige die begeistert ist. Im kürzlich erst eröffneten Laden in Hamburg bekomme ich in meiner Größe keine Hose mehr, alle raus, sagt die Verkäuferin und zuckt mit den Schultern. Gerade erst aufgemacht und schon Engpässe? Das ist aber gar nicht schön. Bei Peek werde ich glücklicher Weise fündig, aber auch hier ist es die letzte Hose in meiner Größe. Die Verkäuferinnen sind nett und zuvorkommend. Mir wird angeboten, aus einem der zahlreichen Märkte andere Farben zu bestellen, was ich dann aber ablehne. Ich hab alles, was ich wollte, und so schlendere ich weiter durch die Gänge des Untergeschosses und schaue was es sonst noch Neues gibt. Juli soll in Berlin ebenfalls ein „Scotch & Soda“ bzw. „Maison Scotch“-Laden aufmachen, das bleibt aber unter uns! Versprochen?!

So, genug des ganzen name-droppings.
Bei meinen Streifzügen durch Mitte und Prenzlberg fotographiere ich weiterhin fleißig Street Art, die mich fasziniert und begeistert. Hier ein paar Kostproben....









Das wars mal wieder kurz und knapp ausm Kiez.
Danke fürs Lesen und auf baldo,
Eurer Echo Girl

Sonntag, 10. April 2011

Woka`licious, Tom Tykwer und der Frühling kann kommen...



Ich liebe Berlin im Frühling. Freundliche Gesichter, die ersten Frühblüher und die Daunenjacke verschwindet im Schrank. Jedes Jahr erfreue ich mich an den überambitionierten  Typen, die beim ersten Sonnenstrahl gleich ihre käseweißen Spagettibeine in kurzen Hosen präsentieren, am besten schon mit Flip-Flops und T-Shirt kombiniert. Mutti muss den Jungs dann am Tag drauf den Honig-Tee ans Bett bringen, aber das ist ihnen wurscht – am ersten Sonnentag sind sie Helden, glauben sie zumindest.

Das Wochenende ist in Berlin-Mitte ein Touristengedrängel vom Feinsten. Ich hasse es deshalb, am Samstag vor die Tür zu treten, auch wenn ich nur ein Pfund Butter zum Kochen brauche. Jedes Cafe/Restaurant hat draußen Tische und Stühle mit Decken, das lockt das Publikum. Doch wehe es scheint keine Sonne auf die Plätze, dann meiden die Touristen den Laden wie der Teufel das Weihwasser. Egal wie lecker es dort auch schmeckt.
Am Sonntag hingegen ist komplettes Kontrastprogramm angesagt. Kein Mensch auf der Straße, freie Parkplätze und leere Cafès – ein Traum. Heute muss ich früh raus, um einen der begehrten Standplätze beim Trödelmarkt im Prenzlberg zu reservieren.

Es ist noch etwas kühl, als ich vor die Tür trete. Die Sonne scheint und der blaue Himmel strahlt mir entgegen. Ein wunderschöner, ruhiger Morgen. Wunderbar. Mit der leeren Straßenbahn fahre ich ein paar Stationen und laufe den Rest zum Markt. Dort herrscht schon reges Treiben. Die ersten Käufer kommen mit ihrer „Beute“, die sie in den Händen tragen, bereits glücklich entgegen. Auch hier gilt das alte Sprichwort mit dem frühen Vogel. Ich schlendere einmal über den riesigen Markt, der von jungen aufstrebenden Berliner Künstlern bis hin zu altem Gerümpel alles zu bieten hat. Für mich ist diesmal nix dabei, ein Glück, schließlich wollte ich ja einen Stand reservieren, um meinen Krempel los zu werden. Echt verhängnisvoll jedes Mal.



Also nichts wie weg. Ich entscheide mich, den Heimweg entspannt per Fuß zurückzulegen. Langsam öffnen die ersten Frühstücksrestaurants ihre Pforten, rücken ihre Tische und Stühle zurecht – der Sonne entgegen und kehren noch mal fix den Gehsteig. So treffe ich auch auf Tom Tykwer mit Kinderwagen, der in die Wochenendzeitung vertieft vor einem Bioladen in der Sonne sitzt.
Ein junger Vater kommt mir mit seinem Sohn, der stolz die Brötchentüte tragen darf entgegen, Mütter schieben ihre Kinderwagen, es werden reichlich Hunde ausgeführt und die Herrchen flitzen mit der Tüte hinterher, damit ja nichts liegen bleibt. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich die Hundebesitzer um dieses tägliche Erlebnis „beneide“.  Aber es ist trotzdem löblich.
Mein Blick fällt auf die reichlich verbreitete Street Art in der Kastanienallee – bei den Berlinern auch Casting-Allee genannt. Ich zück meine Kamera und knipse fleißig, was mir gefällt.









Auf der anderen Seite der S-Bahnstation Hackescher Markt, haben neue kleine Geschäfte und Restaurants eröffnet. Es wächst und gedeiht ein neu erschlossener Platz. Die Werbeagentur „Scholz & Friends“ haben nun ihren Sitz an der neuen, vorgeblichen Topadresse, dem Litfaßplatz. 


Ich bin neugierig und möchte unbedingt das asiatische Restaurant Woka`licious ausprobieren (Stand 2013: gibts leider heute nicht mehr). Schlichtes, Stil sicheres Design. Eine charmante, asiatische Kellnerin heißt uns willkommen. Am freiwählbaren Tisch angekommen, bestell ich erstmal einen frischen Melone-Minze Drink vorweg. Vitamine haschen. Hmmm. sehr lecker, aber mit 4 Euro für 0,2l nicht ganz billig.

Als Vorspeise entscheide ich mich für einen Salat mit Beef, Gurke, Minze und Cranberries. 

Zur Hauptspeise gebe ich dem knusprigen Hühnchen an Mangosalat, Kürbismus und Sticky Rice eine Chance. 

Und was soll ich sagen, ich werde nicht enttäuscht. Das Fleisch ist bei beiden Speisen saftig. Das Gemüse/Obst ist knackig und schmeckt frisch. Mein Resumé - unbedingt hingehen und selbst kosten. Ich fand´s perfekt und ich hatte einige neue Geschmackserlebnisse durch die Kombinationen. www.wokalicious.de  

Beim Blick aus dem Fenster des Woka`licious fällt mir ein kleines Ladengeschäft ins Auge. „Spikkies – Bio-Spaß am Spieß“. www.spikkies.de   

Klingt viel versprechend. Das ist sicher was für den Nachtisch, denk ich so bei mir, bezahle und schlendere hinüber. Schon beim Anblick der Auslage – den Spießen - läuft mir das Wasser im Mund zusammen, auch wenn ich gerade richtig gut satt geworden bin. Herzhaft bis süß, fleischig bis vegetarisch - alles dabei.




Meine Wahl fällt auf den Spieß  „Brownies und Blondies“ – tja ich finde Bio grundsätzlich toll, aber Dinkelmehl im Kuchen, da hab ich echt `nen Problem mit. Jedenfalls sind die Kuchenstücke, die soooo saftig aussehen, puptrocken. Tut mir ja echt leid, aber für 2,80 Euro erwarte ich da mehr! Vielleicht geb ich ihnen noch mal ne zweite Chance, aber das entscheide ich dann spontan.

Das wars mal wieder kurz und knapp ausm Kiez.

Danke fürs Lesen und auf baldo,
Eurer Echo Girl

Donnerstag, 31. März 2011

Mein unvergesslicher Mallorca-Trip !


Bei Mallorca hatte ich bisher immer ein durch die Medien fest geprägtes Bild im Kopf: Ballermann, Sangria mit Strohhalmen aus dem Eimer trinken (was im übrigen Null mehr knallt, als wenn man einfach aus dem Eimer trinken würde) und Jürgen Drews, der unablässig ins Mikrofon des „Oberbayern“ trällert. Ich wurde am Wochenende eines Besseren belehrt!

Freitag, 10 Uhr in Deutschland. Ich schnapp mein geliebtes Rimowa-Köfferchen, perfekt als Handgepäck für kurze Reisen, und mach mich auf zum Flughafen. Am Airport angekommen, zücke ich mein bereits ausgedrucktes Ticket – hier mal ein Hoch auf die heutige Technik -  und lasse den üblichen Sicherheitscheck über mich ergehen. Voller Vorfreude warte ich in der Abflugshalle von AirBerlin auf den Flieger nach Palma de Mallorca. Neben mir werden in den Wartereihen vom Kegelklub aus Bottrop-Kirchhellen schon die ersten Hülsen gezischt, während ich mich an die alte Regel „Kein Bier vor Vier!“ halte und meinen Tee schlürfe.
Kurz darauf folgt die Ansage über die Lautsprecher, das unser Flieger zum einsteigen bereit ist, und dieser wird auch sofort gestürmt, als gibt´s kein Morgen. Im Flugzeug ist zur Freude aller Passagiere die Air-Condition defekt, so haben wir hawaiianischen Klimaverhältnisse, was aber der guten Laune der Passagiere keinen Abbruch tut, und so schwitzen alle brav vor sich hin. Neben mir ein ruhiges, älteres Pärchen, was zum Wandern nach Mallorca fliegt, und in der Reihe hinter mir sechs Herren, die es genießen für ein Feierwochenende ohne ihre „Weiber“ mal raus zu kommen, worauf sie auch lautstark mit dem von der Stewardess gereichtem Bier anstoßen. Also ein bunt gemischtes Publikum.
Bei der Landung wird einheitlich geklatscht, was ich bereits aus Erzählungen kannte, aber nie so recht glauben wollte. Michael Mittermeier sagte mal so schön in einem seiner Auftritte vor ein paar Jahren: „Wieso klatschen die denn immer im Flugzeug? Ich klatsche ja auch nicht für den Busfahrer, wenn wir an der Haltestelle angekommen sind." Ich lass das mal so stehen...

Palma empfängt uns mit Sonnenschein und 20 Grad. Leider waren im Vorfeld alle Cabrios bereits verliehen, so bekommen wir bei Goldcar Rent-a-car für schlappe 57 Euro (plus Tankfüllung) einen einfachen Mietwagen für vier Tage. Super Preis - da kann man nicht meckern. Unser erstes Ziel ist Valldemossa. Eine nördlich von Palma gelegene 2000 Seelengemeinde, in der Komponist Frederic Chopin und die Schriftstellerin Georges Sand 1838/39 einige wilde Monate verbrachten. Ein wirklich entzückendes Örtchen. 





Nach einem ausgiebigen Rundgang kehren wir zur Stärkung in ein traditionelles Spanisches Restaurant ein. Frisches Weißbrot und Allioli wird gereicht. Nachdem ich neulich die Dokumentation „Food Inc.“ gesehen habe, hat sich tatsächlich meine Einstellung zu Lebensmitteln, gerade was die Herkunft von Fleisch anbelangt, sehr verändert. Als Hauptspeise entscheide ich mich somit für Bio-Spanferkel mit gebackenen Apfelringen und Kartoffeln. Ich sach´ mal soviel: ...hmmmm sehr lecker.

Von Valldemossa aus gelangen wir auf der Straße, die sich an der Küste entlang schlängelt, nach Deiá, einem kleinen Künstlerdorf. Soooooo mediterran, bergig und grün habe ich mir Mallorca nicht im Traum vorgestellt. Der Anblick überwältigt mich. Links das weite Mittelmeer, das türkisblau in der Sonne glänzt und rechts am Wegesrand unzählige Olivenbaum-Terrassen, Orangen- und Zitronenhaine, die sich den Hang hoch erstrecken.   Michael Douglas hat seit über 25 Jahren ein Anwesen zwischen Valldemossa und Deiá und verbringt sehr viel Zeit mit seiner Family hier. Grüße an dieser Stelle an Stefanie, eine Freundin aus L.A., die ebenfalls in Deiá eine Zeit gelebt hat. Da kann man sie und ihn nur beglückwünschen – super Ortswahl. 




Im Hotel La Residencia werden wir bereits schon freudig erwartet und mit einem Piccolöchen willkommen geheißen. Das Personal ist sehr hilfsbereit und freundlich. Sogar ein Upgrade in die nächst höhere Zimmerklasse wird uns angeboten. Wow, was für ´nen Empfang, das nehmen wir natürlich gern an. Über das 30 Hektar große Anwesen werden wir zu unserem Zimmer geleitet. Süß, mit einer kleinen Terrasse und Blick auf die Berge.

Da ich erst vor ein paar Tagen aus Los Angeles angekommen bin, werde ich noch heftig vom Jetlag geplagt, was dazu führt, das ich bereits um 18 Uhr völlig erschossen in die weichen Kissen des Hotels sinke. Mit dem festen Vorsatz nur ein Stündchen zu schlafen, versteht sich. Nach vier Stunden werde ich zerknautscht wach und entscheide mich spontan fürs Liegen bleiben. Was zur Folge hat, das ich am folgenden Tag, Samstag und mein Geburtstag, bereits morgens 5 Uhr hellwach bin. Ich versuche das Positive darin zu sehen und denk` so, heut` hab ich mal mehr von meinem Geburtstag. Noch 3 Stunden bis das Frühstücksbuffet öffnet, die Zeit heißt es tot zu schlagen. Langweilig, langweilig, langweilig. Aber es gelingt mir dennoch. Als erster Hotelgast stürme ich um 8 Uhr mit einem Mordshunger bewaffnet den Frühstücksraum. Sofort kommt mir eine Über-beide-Wangen-strahlende Kellnerin entgegen, bringt mir frisch gepressten Orangensaft (von der Insel) und möchte gern wissen, wie ich meine Frühstückseier mag. Das Buffet ist reich gedeckt und mit allerlei Frischem angereichert, sogar das Brot ist selbstgebacken. Vor einem flackernden Kamin und einer Aussicht auf Deiá genieße ich glücklich und zufrieden mein Frühstück in vollen Zügen.


Heute steht u.a. der Ort Sóller, der sich unweit vom Hotel befindet, auf unserem To-do-Zettel. Über Serpentinen gelangt man nach 20 Minuten in den Stadtkern. Am Samstag ist hier Markt, wo regionale Köstlichkeiten und jede Menge China-Klamotten, die man überall auf der Welt kaufen kann, angepriesen werden.





Das Zentrum und der Puerto de Sóller (Hafen) sind mit einer kleinen Straßenbahn verbunden, die regelmäßig hin und herfährt. 





Gegen Mittag füllt sich Sóller mit Touristen so, das wir uns zum Weiterziehen entschließen. Mit Auto weiter gen Norden durch die Serra Tramuntana passieren wir am Fuße des Puid Major einen Stausee, bis wir am Aussichtspunkt Talaia d`Albercutx, einem Piratenturm auf der Halbinsel Formentor im Nordosten der Insel angelangen.
Uns weht eine leichter Meereswind um die Nase und wir genießen den traumhaften Blick. Abgesehen von den vielen, vielen Sport-Radfahrern sind wirklich wenige Touristen unterwegs, was uns sehr erfreut.


Leider bekomme ich immer wieder Probleme „Dank“ der kurvenreichen Straßen, und mir wird schlichtweg übel. Ich bin sehr offen und dankbar für Ratschläge, um dies das nächste Mal zu vermeiden. Also nur zu und Kommentar schreiben. :-)
Den Abend lassen wir im hauseigenen Restaurant „El Olivio“ bei gutem Essen und leckerem Rotwein (ein Inselwein namens „AN 2“) ausklingen.
Am Sonntag gelingt es uns doch etwas länger zu schlafen und siehe da, ist unser Deluxe-Platz am Kamin ist bereits besetzt. Es findet sich natürlich ein anderes schönes Plätzchen im Licht durchfluteten Frühstücksraum. Eine angebotene persönliche Führung durch eine Ölmühle lockt uns ein weiteres Mal nach Sóller ins Tal. 



Ganz gespannt lauschen wir den Worten des Familienoberhauptes der Dets, der uns durch die heiligen Hallen führt und ausgiebig berichtet wie die Ölivenöl-Herstellung hier seit über 400 Jahren vonstatten geht. Eine Verkostung des Olivenöles durfte natürlich nicht fehlen. Wir greifen im Anschluss zu und verlassen die Mühle gut bepackt. http://www.sollernet.com/candet/indexen.html
Aus Neugier statten wir dem Ballermann, der in Wirklichkeit Baleanario heißt und den jeweiligen Strandblock bezeichnet, einen Besuch ab. Viele der Läden haben geschlossen, schließlich ist Ende März ja noch keine Saison. Ein kurzer Blick genügt und wir rauschen weiter. 



Da wir uns heute das richtige, volle Programm geben wollen statten wir dem „Cafe Katzenberger“ in Santa Ponsa ebenfalls einen Besuch ab. Dieses hat jedoch bis 1. April Winterferien, und wir stehen vor verschlossenen Türen. Sicher musste sie das Geld, was die Gäste vorne mühevoll rein getragen haben, durch den Hinterausgang mit Eimern wieder raus tragen und sich den Winter über davon erholen. Unglaublich und das auch noch bei der bescheidenen Lage des Ladens. Na ja ich werde das Phänomen „Katze“ eh nie verstehen. 
So setzen wir die Erkundungstour via Auto fort. Im Hafen von Andratx finden wir eine schöne Bäckerei, wo wir uns niederlassen, und bei Kaffee und Tee die Sonne genießen.



Der letzte Urlaubstag, Montag. Mit etwas Wehmut über die viel zu schnell vergangenen Tage packe ich meinen Koffer mit reichlich, mallorquinischen Schätzen.
Natürlich verlasse ich das Hotel nicht ohne das Spa-Angebot  probiert zu haben. Bei einer unglaublich guten, einstündigen Massage entspanne ich komplett und bereite mich schon mal mental auf das letzte Highlight vor – Shopping in Palma.
Ach was für eine entzückende Stadt dieses Palma de Mallorca ist. Ich ärgere mich etwas, dass ich hier noch nicht früher her gekommen bin. Ist ja schließlich alle Nase lang als Städtereise im Angebot. Na ja was solls. Zum Mittag gibt’s traditionell Tapas. Ich hatte ja eher das Gefühl, es ist einfacher auf Mallorca ein Stück Bienenstich zu bekommen als Tapas. Jedoch ändert sich der Eindruck als ich in Palma durch die Gassen schlendere. Ein letztes Mal kräftig zuschlagen beim Allioli, bevor es wieder in den Flieger nach Deutschland geht. Der Sitznachbar wird’s mir sicher danken.


Mein Resumé für diese Reise: ich komme auf jeden Fall wieder nach Mallorca. Der Norden und Westen hat mir sehr gut gefallen, das „andere“ deutsche Mallorca hingegen ist überhaupt nicht mein Fall. Aber das ist und bleibt natürlich Geschmacksfrage. 




Das war´s kurz und knapp.
Vielen Dank fürs Lesen und auf baldo,
Euer Echo Girl