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Montag, 10. Juni 2013

New York State, Baseball und die Niagarafälle


Von Falmouth sind es ca. 840 km/530 Meilen bis zu den Niragarafällen, die an der kanadischen Grenze im Bundesstaat New York gelegen sind. Wir fahren jedoch nicht über den Interstate 90 (Mautgebühr-pflichtig), sondern möchten gern etwas mehr von Land und Leuten sehen. So entscheiden wir uns für die traditionelle Route 20, diese reicht von der amerikanischen Ost- zur Westküste. Unsere erste Übernachtung legen wir in Cooperstown ein, einer Stadt die so Baseball vernarrt ist wie keine andere. Dabei hat die Baseball Hall of Fame nur dem Zufall ihren Sitz in der Stadt zu verdanken. 1939 hat irrtümlich jemand gedacht, dass 100 Jahre vorher auf einem nahe gelegenen Acker das Ballspiel erfunden wurde. Jedoch ist dies bereits widerlegt und die Aufzeichnungen führen bis ins alte Ägypten zurück. Aber egal, es hat sich durchgesetzt und die Stadt lebt von den Touristen, die die Hall of Fame besichtigen, zu regelmäßig stattfinden Mini-League-Spielen anreisen, hier hergestellte Schläger kaufen oder in einem der zahlreichen Baseball-Shops ein Souvenir erwerben. Es wirkt so, als würde es in dieser Stadt nur um den nächsten oder bereits vergangenen Abschlag gehen, die restliche Welt scheint still zu stehen. Skurril. Wir frühstücken in einem süßen, kleinen Café und beobachten das Treiben auf der Hauptstraße durch die Fensterscheibe.




legendär: No.42 - Jacky Robinson


Knapp vier Stunden liegen noch vor uns, das sollte heute zu schaffen sein. Der Route 20 weiter folgend, kommen wir durch kleine Orte, an Seen und endlosen Wiesen vorbei. Eine wirklich abwechslungsreiche Fahrt und kein Vergleich zum Interstate-Gebrause. Ein wachsendes Geschäft scheint der Handel mit Antiques zu sein, wir würden bis auf ein paar Ausnahmen eher von Tinef, Krams oder unnützen Staubfängern sprechen.  So viele Antiques-Shops wie auf dieser Strecke habe ich noch nirgends gesehen. Teilweise sind die "Shops" in Scheunen untergebracht, die größer als die Wohnhäuser der Anbieter sind. Man bräuchte Monate, wenn man an jedem Halt machen und stöbern wollte. Ich bleibe standhaft!
Das Wetter macht uns heute einen Strich durch die Rechnung und es regnet unablässig vom grauen Himmel. Perfekt um den nächsten Waschsalon aufzusuchen und die angefallene Schmutzwäsche in eine der Trommeln zu werfen. Mit zirka fünf Dollar und einer Stunde Zeit ist dann auch dieses Thema Vergangenheit. Wenn man mit wenig Gepäck reisen möchte, so wie wir es tun - ideal.

Umso näher wir der kanadischen Grenze kommen, umso mehr nehmen die Strommasten zu. Wir sind auf dem richtigen Weg. 


Ich kann es kaum erwarten die Fälle aus der Nähe, live und in Farbe zu zu erleben. Die wenigen Kilometer vor der Grenze scheinen sich ewig hinzuziehen. Dann endlich haben wir es geschafft. Ich halte die Kamera gezückt, die Autoscheibe runter gekurbelt, schaue durch den Sucher und bin bereit fürs erste Foto. Wildes hin und her schauen - links, rechts....nichts. Nochmal links, rechts, gar nichts. Ein irritierter Blick auf die Karte, und sie verrät mir, es sind noch zwei Brücken zu überqueren. Sie machen es absichtlich spannend, es kommen noch zwei weitere Brücken, aber dann! Für mich steigt die Aufregung wie bei meinem ersten Las Vegas Besuch. Ein Straßenschild verrät nun endlich, gleich überqueren wir die Rainbow Bridge, auf deren Hälfte sich die kanadisch-amerikanische Ländergrenze befindet. Zu unserem Erstaunen gibt es von der amerikanische Seite gar keine Passkontrolle. Langsam rollen wir mit unserem Mietwagen über die Brücke, in der Hoffnung, einen ersten neugierigen Blick auf die weltberühmten, runterprasselnden Wassermengen zu werfen, jedoch kann man durch die Betonbrüstung nur den aufsteigenden Dunst sehen. 

Naja egal, wir sind ja gleich drüben. Ich mach's spannend, aber so war es wirklich! An der kanadische Grenze werden wir vom Grenzbeamten etwas ausgefragt, am Ende witzelt er, weil die holländische Fussballnationalmannschaft U-21 gerade die Deutschen geschlagen hat. Wahrscheinlich liegts an meinem Jogi-Hanuta-Aufkleber, der seit der EM 2008 in meiner Passhülle mitreist und immer wieder zu witzigen Gesprächen an der Grenze führt. Wir Deutschen sind, auch wenn man es nicht glauben mag bei unserer Geschichtsvergangenheit, doch recht beliebt auf der Welt. Mit freundlichen Reisewünschen verabschiedet uns der kanadische Beamte.
So jetzt aber, ich will es sehen! Und plötzlich liegen sie vor uns.

Ich bin etwas überrascht. Schnell werde ich aufgeklärt, das die Fälle oberhalb des Flußes durch eine Insel getrennt werden und daher die Niagara Fälle aus den Amerikanischen Fällen (etwas kleiner mit 21m Höhe) und den Horseshoe-Fällen (55m) bestehen. Aha! Dieser Waterfall ist also der, wo immer wieder aufs neue Wahnsinnge versuchen, sich herunter zu stürzen, ob in Fässern, mit Booten oder auch ganz ohne Hilfmittel. Überleben tut nur jeder zweite und der erhoffte Ruhm blieb bisher bei jedem geglückten Versuch ebenfalls aus. Also, nicht nachmachen!
 
links die Amerikanischen und rechts in der Ferne die Hufeisen Fälle
Wie immer ist man im ersten etwas Moment enttäuscht, weil man es sich viiiiiel größer vorgestellt hat, aber das kennt man ja. Wenn ich da etwa an die Freiheitsstatue denke, die ich 1996 das erste Mal besuchte - ich dachte es wäre ein kleiner Nachbau. So beeinflussen uns die Bilder in TV und Film. Da wird auch aus einem Ein-Meter-Siebzig-Sylvester-Stallone eine riesige Kampfmaschine. Was solls. Begeistert und angetan bin ich trotzdem, also von den Fällen jedenfalls.

Als Übernachtung suchen wir uns ein Hotel mit Blick auf die rauschenden Massen aus, wenn schon, denn schon. Das Wetter bleibt leider trüb und ab und an fällt Nieselregen. Über die große Fensterfront im 23. Stock des Hotels sehen wir trotz Nebel und aufsteigendem Dunst das Naturschauspiel von oben. Ein Träumchen. Leider werden die Fotos wetterbedingt nicht so wie gewünscht. Aber wie sagt man so schön “ You can´t have it all”.
 
Blick aus dem Hotelzimmer im 23.Stock
Die Gegend um die Touristenattraktion, die im Jahr 18 Millionen Menschen anzieht, ist tatsächlich wie Vegas. Bunte Leuchtreklame, Restaurants, Spielbuden, Souvenirläden. Es erscheint irgendwie unpassend zu dem diesem phantastischen Naturereignis. Aber jeder Tourist hat ne Mark bzw. einen Dollar in der Tasche, die ihm entlockt werden möchten oder sollen. Das scheint auch aufzugehen. 





Was in Vegas funktioniert und mich durchaus anspricht, schreckt mich hier ab. Zurück ins Hotel und den Ausblick genießen. Wir gingen davon aus, dass die Wasserfälle auch nachts beleuchtet werden, so sah ich das auf Bildern jedenfalls, aber Pustekuchen. Was bleibt ist das Rauschen, was man durch ein kleines zu öffnendes Fenster deutlich vernehmen kann. Auch schön.

Am morgen vorm Auschecken wagen wir uns auf die “Maid of the Mist”, ein Boot, was Dich bis unter die Fälle bringt. Es werden blaue Plastikponchos verteilt, die man auf der 20-minütigen Fahrt auch dringend notwendig hat. Es wird reichlich feucht durch die herab prasselnden Wassermassen, die soviel Dunst erzeugen, dass es einen ohne Schutz komplett durchnässen würde. Kaum vorstellbar, dass das nur zwischen 10-20% der eigentlichen Wassermengen sind, die anderen 80-90% werden vorab zur Stromgewinnung umgeleitet. Irgendwie fühl` ich mich da auch etwas betrogen, um das wirklich ursprüngliche Ereignis. Wie imposant muss das erst sein.








Da noch nicht Hochsaison ist und das Boot nur zu einem Viertel gefüllt ist, können wir uns an Deck recht frei bewegen und auch mal Schutz suchen, als es uns zu nass wird.
Eine witzige Geschichte trug sich 1948 zu, als das Flussbett der Fälle über Nacht plötzlich trocken war. Die Leute waren verwirrt und dachten an eine übernatürliche Ursache, was den umliegenden Kirchen einen Zustrom an neuen Anhängern bescherte. Der wirkliche Grund jedoch war, dass auf dem Erie-See ein starker Wind Eisschollen so zusammengeschoben hatte, dass der Ablauf “verstopft” war und kein Wasser zu den Fällen gelangen konnte.

Nach dieser aufregenden Bootsfahrt treten wir die Rückreise in die USA an und weiter gehts in Richtung Westküste über Pittsburgh, Cleveland, Detroit, Chicago und so weiter. Ich werde berichten. :-)

PS: Wer ein großer Fan von Nowitzki, Kobe und Co. ist sollte es nicht versäumen in Springfield, New York, Halt zu machen, hier ist die Basketball-Hall of Fame. 


Bereits 1996 war ich zusammen mit meinem Bruder und Dad dort, jedoch war die Location zu der Zeit noch kleiner und in der gegenüberliegenden Sporthalle. Wie auch schon damals beinhaltet das Museum nicht nur Vitrinen mit Klamotten, Geschichten und Fotos, an denen man sich die Nasen platt drücken kann, nein es gibt auch einige interaktive Sachen rund um Basketball: z.B. Körbe werfen nach Zeit, auf einem richtigen Court spielen, sich beim Dunking mit den Großen messen und so weiter. 










Sogar ein Kino findet im Basketball-Museum Platz. Von außen hat die Hall of Fame übrigens die Form eines Basketballs, der zur Hälfte aus der Erde ragt. Der Eintritt liegt bei 19,95 Dollar pro Nase.

Das war´s mal wieder kurz und knapp. Danke furs Lesen. Bei Gefallen einfach Email-Adresse oben rechts eingeben und so keinen Blog verpassen. Er ist kostenlos und kann jederzeit auch wieder abbestellt werden.

Euer Echo Girl

Sonntag, 2. Juni 2013

Tegel – Gordon Ramsay – Boston


Viel zu selten rufe ich mir ins Gedächtnis, dass der Moment, den man gerade erlebt, ob allein oder in Gesellschaft, so nie wieder kommen wird. Mich stimmt es, wenn es mir dann wieder mal bewusst wird, oft sentimental und traurig, obwohl es mir meist in schönen Situationen passiert. Ein banales Lachen über eine witzige Alltagssituation mit meiner Mutti, das Streicheln der Haut meines Mannes, ein leckeres Essen, oder, oder, oder. Nie wird dieser Moment so wieder passieren. Nicht zuletzt, weil wir alle vergänglich sind. Die Lebensumstände ändern sich und die Menschen. Noch vor einigen Jahren kam mir die Zeit ewig vor. Ich wünschte rückblickend, dass ich mehr Zeit mit meinem Vater gehabt hätte, der viel zu früh an einem Herzinfarkt starb. Ich versuche mich manchmal, über seinen Verlust hinwegzutrösten, dass er zu dieser Zeit absolut glücklich war und er nicht hätte erfüllter von dieser Welt gehen können. Aber fast jeder hat so einen Verlust bereits erlebt, ob im Familien- oder Freundeskreis. Meine Mutter schenkte mir letztes Jahr zu Weihnachten das Buch "Mama, erzähl mal". Über ein halbes Jahr hatte sie zu allen Fragen Rede und Antwort gestanden. Erinnerungen an ihr Leben, ihre Eltern, ihre Lieben und die Beziehung zu mir aufgeschrieben, Bilder und Gesammeltes eingeklebt. Eine wundervolle Idee. Für sie selber bedeutete es ebenfalls eine Reise in die Vergangenheit, wie sie mir später berichtete und wofür sie sehr dankbar war. Ich bedauere sehr, dass ich es versäumt habe meinem Vater dieselben Fragen zu stellen. Ich dachte, wir hätten noch Zeit. Oft sehe ich ihn vor mir und höre wie er die letzten Worte einer Verabschiedung zu mir sagt. Wir lächeln uns an und er verschwindet beschwingt, so wie es sich auch zugetragen hat. Seitdem habe ich vor Verabschiedungen richtig Muffe, weil man nie weiß, ob man sich je wieder sieht....
Mein Vater hat vor vielen Jahren ebenfalls eine Tour durch die USA und Kanada gemacht, ein paar seiner Aufzeichnungen von früher habe ich noch, die wir nun bei unserem Trip cross-country nutzen werden.

Gegen Mittag ging unser Flieger von Berlin nach London. Bei Einchecken bhatten wir den Herren von British Airways gebeten, uns je einen Gangplatz zu geben. So hockt man sich nicht so auf der Pelle und jeder kann aufstehen, wenn einem danach ist. Mittelplätze sind echt die Hölle auf einem Langstreckenflug. Der Herr nickt und schiebt uns unsere Boardingpasse über den Tresen. In Heathrow haben wir genug Aufenthalt, um zu Mittag zu essen und so schauen wir uns nach einem geeigneten Lokal um. Im neuen Terminal 5 werden wir schnell fündig. Ich sehe in großen Lettern “Gordon Ramsay”. Für alle, die den schottischen Chef-Koch und Restaurantbesitzer, der 15 Michellin-Sterne gesammelt hat und hält, nicht kennen: Mr. Ramsay erlangte neben seinen exzellenten Kochfähigkeiten noch durch etliche TV-Sendungen, die in aller Welt ausgestrahlt wurden, Aufmerksamkeit. Er bereiste die fernsten Länder und verköstigte die traditionellen Gerichte spatter in seinem Restaurant vor Ort – teilweise keine ganz einfache Kost. Am bekanntesten wurde er jedoch durch “Hell´s Kitchen”, eine Sendung bei der sich Hobby- und Profiköche bewerben können und in Teams gegeneinander beim Kochen antreten. Durch seine direkte Art, die Wortwahl und seinen herrischen Tonfall, herrscht eine steife Brise in der Küche, umes mal vorsichtig auszudrücken. Ich bin jedenfalls Fan und schaue seine TV-Auftritte immer sehr gerne. Anyways.





Zurück zum Restaurant, es ist gut besucht, aber wir bekommen einen schönen Platz zugewiesen, mit Blick auf die ankommenden Flugzeuge. Es werden warme Brötchen gereicht, während wir die Speisekarte studieren. Guter Auftakt. Ich entscheide mich nur für eine Suppe, da mir etwas anderes ins Auge gefallen ist. Ein 3-Gänge-Picknick fürs Flugzeug (“Plane food”) zusammen gepackt in einer kleinen orangen Kühltasche. Eine pfiffige Idee, da greif ich doch zu. Das Essen im Flieger ist ja meist eher furchtbar. 

Die Suppe kommt - sowie das Kalbscarpaccio für meinen Mann. Na dann, guten Appetit. Erster Biss bzw. erster Löffel – wow. Geschmackserlebnis. Kein Ausruhen auf den Sternen also. Wir freuen uns über die Entscheidung und stoßen auf unsere bevorstehene Reise an.


Mein Mann hat vor 6 Jahren bei British Airways eine Vielfliegerkarte bekommen und dazu angegeben, dass er Asian-vegetarisch für die Verkostung an Bord präferiert. Oft sind wir BA seither nicht mehr geflogen, aber die Karte gilt offenkundig immer noch. Bei diesem Flug fiel es BA jedenfalls wieder ein, mit der Diät, und die Stewardess präsentierte stolz eine vegane Speise. Mein Mann lehnt zwar ab, trotz der verräterischen Sitznummer, meine Sitznachbarin zur anderen Seite freilich behauptet erleichtert, es sei ihr bestelltes Essen --- es handelt sich um eine orthodoxe Jüdin, die heilfroh ist. Mein Mann auch, als er sein Chicken bekommt.


Nach knapp 7 Stunden - das Picknick-Ramsay-Paket vernichtet, drei Filme gesehen und leider doch (grrr) auf den beengten Mittelplätzen E und F gesessen - landen wir in Boston.  Es ist ca. 18 Uhr Ortszeit (6 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland), als wir in den Zubringerbus zur Autovermietung steigen. Mein Mann hatte im Vorfeld das Auto via Internet gemietet, empfiehlt sich sehr, da das Versicherungspaket ein deutlich Besseres ist und es auch preisgünstiger wird. Wir brechen in großes Gelächter aus, als wir vor dem eigentlich gebuchten Wagen stehen.
Da sollen drei Koffer, ein großer und ein kleiner Mensch reinpassen, und das die nächsten vier Wochen jeden Tag?

Die Dame von National lacht mit uns und empfiehlt ein Upgrade, was uns zwar 11 $/pro Tag mehr kostet, aber was solls. Die über 30 Grad auf dem riesigen Beton-Parkplatz der Autovermietung lassen den Schweiß auf der Stirn schwillen. Fix alles einladen, Klimaanlage an und los.



Das war´s mal wieder kurz und knapp.

Euer Echo Girl