Mittwoch, 16. Februar 2011

Sandra Hüller, ein Leoparden Anzug und der FC St.Pauli



Heulen könnt`ich, wirklich heulen. Ich fühl mich in meinem Kiez (Berlin-Mitte), wie aufm Kudamm in den 90er Jahren. Nach und nach schließen alle kleinen Geschäfte und Cafe`s. Mein toller „Kochlust“-Laden in dem ich vor einiger Zeit einen afrikanischen Kochkurs belegt hatte, der Schuhladen „Lucicco“, das kleine Cafe gegenüber – alle geschlossen. Vertrieben durch Flagshipstores der big names. Wirklich schade. Das hat mir immer so gut gefallen, durch die Läden zu schlendern und zu schauen was es für neue Ideen und Konzepte gibt. Aus die Maus.


Etwas radikaler drücken sich dagegen Andere ihre Wut über die Veränderung aus, in dem sie bei fast jedem Geschäft in der Alten Schönhauser Strasse die Fensterscheiben stark beschädigen. Sieht Mist aus und macht´s auch nicht besser. Im Gegenteil, ich muss das dann ausbaden und mehr für meine nächsten Schuhe bezahlen.
Der Replay Laden wird zu Tom Tailer. Die machen jetzt auf Ami Style, was die Marke keinen Deut attraktiver macht. Es weht also ein anderer Wind durch Berlin-Mitte.


Gestern gings Berlinale mäßig wieder ins Kino. Dieses Mal hat mich Sandra Hüller in ihren Bann gezogen. Als Hauptdarstellerin in „Über uns das All“ verfällt man ihr und leidet mit. Ein Film der mich sehr beeindruckt hat. Absolut sehenswert.


Am Abend wurde im Kant Kino die Premiere des FC St.Pauli Filmes „Gegengerade“ gefeiert. Die ersten Träger Bier wurden bereits vor betreten des Kinos gelehrt. Leere Flaschen zierten den Bürgerstein. Leichte Bedenken machten sich bei mir breit. Fliegen im Kino die Sitze, wenn die Stimmung kippt? Nur Mut dachte ich. Dit wird schon jut jehen. Im Kino-Foyer drängten sich Wange an Wange, Schauspieler und Fussball-Fans. Mit von der Partie unter anderem: Mario Adorf, Uwe Rohde mit Bruder Armin „Bierchen“ Rohde, Claude Oliver Rudolph - in seinem gefürchteten, engen Leoparden Anzug, Fabian Busch, Katy Karrenbauer und Kiez-Größe "Karate-Tommy" Thomas Born. 
Claude-Oliver Rudolph
Thommy Born

Als alle ihr Plätzchen gefunden und sich mit noch mehr Bier eingedeckt hatten, konnte es endlich losgehen. Der Film wurde bereits im Vorfeld schon als Kultfilm betitelt. Ich fand den Trailer besser als den Film, muß ich gestehen. Wie so oft, die besten Szenen sind im Trailer. Gut gefallen hat mir Katy als Mutter mit Kostümchen und Hochsteckfrisur gefallen, Moritz Bleibtreu als mieser Immobilien-Hai und Timo Jacobs, der der Hauptfigur das gewisse Etwas verleiht. Anschauen oder nicht, das müsst ihr entscheiden.
Kurz gabs während des Filmes ein heftiges Wortgefecht, dessen Inhalt ich hier lieber nicht wiedergeben möchte, um meine lieben Leser nicht zu verschrecken. In den hinteren Kinoreihen legten sich zwei Punkgören an, der Streit konnte aber glücklicher Weise durch laute „sssssssscht“ Rufe geschlichtet werden. Im Anschluß des Filmes wurden Cast und Crew auf die Bühne gebeten. Das übliche Prozedere halt. Dann ging es zur Party ins Grand Hotel Esplanade. Eine absolut ungeeignete Location für so einen Film. Die Gäste kamen in Scharen und waren trink-und feierfreudig. Ein super Auftritt hatten die tätowierten Mädels von Autseider. Sie servierten Getränke auf Tabletts und sie hatten einfach Spass an ihrem Job.




Werner Dähn & Sonja Kerskes

Gereicht wurde u.a. Astra Bier - aus der Flasche versteht sich. Als die Band so laut zu spielen anfing, das man sich nur noch mit Handzeichen verständigen konnten, verabschiedete ich mich.  Eine gute Entscheidung, wie sich heute rausstellte. Es flogen Stehtische zur fortgeschrittener Stunde und mit steigendem Alkoholpegel. Schlägereien und Verwüstung, so dass das SEK anrücken mußte. Wurde gleich ein Aufmacher in der lokalen Presse. Frei nach dem Motto "Schlechte Presse ist besser als garkeine Presse. So bleibt man wenigstens im Gespräch".


Voßpalais

Für mich hieß es also, auf zur nächsten Party. Die Südtiroler Film-Förderung BLS hatte ins Voßpalais geladen. Knackevolle Hütte. Super Location. Italienisches Flair. Leckere Häppchen. Ein absoluter Gegensatz zur vorherigen Veranstaltung. Eine klassische Stehrümmchen-Party, aber sehr nett wars. 2011 stellt der BLS fünf Millionen Euro als Fördersumme zur Verfügung. Not bad! Alle waren ganz angetan. In den frühen Morgenstunden komm ich geschafft nach Hause.

In den kommenden Tagen heißt es wieder Abschied nehmen von Berlin und aufi geht’s nach Los Angeles. Juchu :-)

Danke fürs Lesen und bis baldo,
Euer Echo Girl

Montag, 14. Februar 2011

Valentinstag und ein Geschenk für Gerard

Valentinstag - überall glückliche, knutschende Pärchen, Herzen-Deko in Restaurants und Läden, Männer mit Blumensträuße, die an mir vorbei laufen.
Eine junge Dame hatte die glorreiche Idee eine Tüte Süßigkeiten (mit Herzen beklebt) an den Junggesellen Gerard Butler zu überreichen und wurde prompt von ihm mit einer Umarmung und einem Wangenkuss belohnt. Sie wurde ganz rot und stand völlig überwältigt da. Die restlichen Fans, die vor dem Berlinale Palast auf Gerard und den Rest der Crew vom britischen Wettbewerbsbeitrag „Coriolanus“ warteten bekamen lediglich ein Autogramm, wenn sie Glück hatten. 
Für das offizelle Red-Carpet-Foto schiebt sich die ganze Film-Crew zusammen. Ralph zupft seinem Freund und Kollegen Gerard noch einen Fussel vom Revers und dann heißt es smile und das Blitzlichtgewitter beginnt. Mit einer Lockenpracht und janz schlank kommt er daher, Mr.Butler. Hätte ihm am liebsten `nen Pausenbrot angeboten, damit er nicht vom Fleisch fällt, der Arme. 



Der Film, unter Regie von Ralph Fiennes, ist eine Shakespeare-Adaption und spielt im heutigen Rom. An die Art der Dialoge muss man sich erst gewöhnen, jedoch erntete der Film großen Applaus. In einer Nebenrolle spielt Lubna Azabal, die mit dem Film „Incendies“ für den Oscar 2011 in der Kategorie Ausländischer Film nominiert ist. Resumé: sehenswert.



Bevor der Film losging wurden die besten europäischen Nachwuchsschauspieler (Shooting Stars – europe`s best actors 2011) geehrt. In der Jury u.a. Heike Makatsch, die auch die Preisträger anmoderierte. Der Preis, die „Maria“, benannt nach der Figur des Fritz Lang Filmes „Metropolis“, wurde von Ralph Fienes an jeden einzelnen Schauspieler überreicht. Unter den Preisträgern aus zehn unterschiedenen Europäischen Ländern wurde u.a. Alexander Fehling aus Deutschland geehrt. Von dem jungen Mann wird man sicher noch einiges hören und vor allem sehen.  :-)

Ein weiterer Film, den ich heute gesehen habe und Liebhabern des britischen Humors ans Herz legen möchte, ist "The Guard". Ich hab mich köstllich amüsiert. Da fragt man sich doch, warum so ein Film in der Kategorie "Panorama" und nicht im "Wettbewerb" läuft !


Das war`s kurz und knapp,
auf baldo und danke fürs Lesen,
Euer Echo Girl

Sonntag, 13. Februar 2011

61.Internationale Filmfestspiele Berlin

Berlinale 2011 


Die 61.Internationalen Filmfestspiele Berlin sind nun schon vier Tage alt. Diese insgesamt zehn Festivaltage verfliegen jedes Mal im Nu. Ein Trubel in Berlin und eine tolle Atmosphäre. Ich liebe das. Filmliebhaber, Presse, Filmschaffende, Autogrammjäger treffen auf einander und teilen ihre Leidenschaft - den Film. Und nicht zu vergessen, die Berlinale ist das größte Publikumsfestival auf der Welt.

Zur Eröffnung kam der Dude himself durch die Hauptstadt geritten, um seinen aktuellen Film „True Grit“, zusammen mit den Coen Brothers vorzustellen und Deutschland-Premiere zu feiern. Lässig wie immer, schlenderte er über den roten Teppich.

Für die, die das Prozedere nicht kennen erklär ich’s mal kurz. Die Akkreditierung beantragt man Monate im Voraus. Diese Anfrage wird dann geprüft und im besten Falle bestätigt. 100 Euro kostet dieser Pass mittlerweile. Vor zwei Jahren waren es noch 50 Euro. Im Preis inbegriffen ist eine der begehrten Berlinale Taschen - dieses Jahr aus Bio-Baumwolle. Mit meiner Akkreditierung bekomme ich kostenlos pro Film ein Ticket. Dieses ist immer an die Akkreditierung gebunden. Dafür muss ich mich jedoch trotzdem jeden Tag anstellen, für die Vorstellungen am kommenden Tag. 
Ticket Schalter für Akkreditierte
 Die letzten Tage hieß das 5.30 Uhr hoch. Draussen ist es noch dunkel. Da steht man dann völlig verpennt in der Schlange mit hunderten anderen Filmverrückten. Einige fühlen sich berufen für Ordnung zu sorgen und genau aufzupassen das sich ja niemand vordrängelt. Beim täglichen Austausch über Inhalte und Empfehlungen stellt sich schnell heraus, das manche 4-5 Filme am Tag sehen und stehen am nächsten Morgen wieder top fit in der Reihe. Keine Ahnung wie die das machen. Netter Weise gibts ein Catering Mobil, bei dem es Tee und Cafè für die Wartenden kostenlos gereicht wird. Tolle Idee.
Der Freitag war etwas heftig. Mich zog es ins Kino. Zwei Premieren standen auf meinem Zettel. Erst „Margin Call" mit Kevin Spacey und Jeremy Irons. Beide ebenfalls anwesend, um ihren Film in einer Welt-Premiere zu präsentieren. Demi Moore spielt eine kleine Nebenrolle. Mittlerweile wird in Hollywood schon gewitzelt, sie sähe jünger aus als Ehemann Ashton Kutcher. Schon irgendwie gruselig der Schönheitswahn, aber sie ist trotzdem ein Sahneschnittchen geblieben. Der Film, in dem es um die Bankenkrise 2008 geht, ist mit Fachbegriffen nur so vollgepackt. Mich hat er leider nicht so umgehauen.





Der zweite Film am Abend, der argentinische Wettbewerbsbeitrag „El primo“, war super spannend angekündigt. Jedoch kam er leider irgendwie nicht ausm Quark und auf den Punkt. Das sahen wohl einige Zuschauer genauso und gingen aus dem Film. Das Programm der diesjährigen Berlinale ist sehr dunkel und politisch, es fehlt ihr die Leichtigkeit.
Im Anschluss schlurfte ich noch zur Movie meets Media-Party ins Ritz Carlton. Zu dieser lädt Sören Bauer jedes Jahr im Rahmen der Berlinale. Es wurde geschlemmt, getrunken und fleißig Hände geschüttelt. Wilson Gonzales Ochsenknecht legt auf und es wurde ausgelassen getanzt. Drei Partys gab es an dem Abend, da war für einige Party-Hopping angesagt, um überall gesehen zu werden und nix zu verpassen. Für mich hieß es um 2 Uhr ab nach Hause. Komplett knülle.

Gestern hat sich Mc Donalds bei mir persönlich für 40 Jahre Treue bedankt – mit einem leckeren extra Big Mäc. Das nimmt man doch gern an. Wenn man schon mal sündigt, dann auch problemlos doppelt. :-D 

Einen interessanten Film habe ich heute gesehen – „A life in a day“. Eine Zusammenarbeit von den Geschwistern Tony & Ridley Scott und youtube. Das erste Mal, in der ein reiner Internetkonzern mit der Filmindustrie zusammentrifft. Die Idee: der 24.Juli 2010 - ein Tag im Leben von einzelnen Menschen auf der ganzen Welt. Es gab eine Ausschreibung via youtube. Es wurde ein Teil, der bei youtube hochgeladenen Videobeitrage, zu einem 90 Minüter liebevoll zusammengestellt. Glückliche, tragische, stille, laute Momente. Ich habe mehrfach gelacht, aber es kamen mir auch die Tränen.  Der Film endet mit den tragischen Bildern der Love-Parade 2010. www.youtube.com/lifeinaday 

Morgen gehts mit vollem Elan weiter. Drei neue Filme erwarten mich.
Bin gespannt ob sich Gerard Butler morgen auch zur Berlinale einfindet. Im Wettbewerbsbeitrag "Coriolanus" spielt er, unter der Regie von Ralph Fiennes. Das Ticket für die Premiere hab ich mir jedenfalls gesichert.
Einige Termine gilt es auch noch wahrzunehmen. Die Mischung machts. 
Ick freu mir.
Blick aus der BMW Lounge im Grand Hyatt

Vielen Dank fürs Lesen und auf baldo,
Euer Echo Girl


Sonntag, 6. Februar 2011

Mein Sonntag in der Notaufnahme

Sonntag Mittag in der chirurgischen Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses. Auf dem Gang der Notaufnahme drängen sich Patienten jeden Alters. Nach und nach bekomme ich beim Warten die Geschichten zwangsläufig mit. Es ist ein Uhr und mit mir warten: ein schüchterner Junge mit seiner besorgten Mutter – ihm wurden am Donnerstag zwei Weisheitszähne gezogen und nun hat der Teenager puckernde Pausbacken. Des Weiteren ein junger Mann mit seiner Freundin, ich würde schätzen aus der Weddinger Gegend. Erst weiß ich nicht so recht was er hat, schließlich liegt er auf einer Liege im Gang, hat seinen Arm übers Gesicht gelegt und scheint zu ruhen. Seine Freundin hingegen erzählt laut übers Telefon erstmal im feinsten Berliner Slang einer Freundin, was ihnen Abgefahrenes passiert ist und wie scheiße jetzt der Bastie da auf der Trage vor ihr liegt. Mein Blick fällt sofort auf den armen Bastie, der jedoch bleibt relaxt und scheint weiter zu ruhen.
Während ich meine Wartegruppe so studiere, wird durch die Eingangstür eine Liege von zwei Sanitätern in die Notaufnahme geschoben. Auf der Trage ein Mann, den es schwer erwischt haben muß. Wie sich später rausstellt, wurde er überfallen und mit einer Bierflasche niedergeschlagen. Die Schwester mustert den Neuankömmling und sagt zum Sanitäter: „ja, stell ihn mal da in die Ecke, ham`gerade viel zu tun“. Daraufhin sagt der Sanitäter bestimmt „nix hier mit in die Ecke stellen, auf den müsst ihr gleich `nen Blick werfen“. Neben mir sucht ein Arzt das Gespräch zum Pausbacken-Jungen, der kaum ein Wort rausbekommt, somit springt seine Mutter ein. Es solle Blut abgenommen werden, um festzustellen ob sich die Wunde entzündet hat, wo früher die Weisheitszähne mal standen. Der Junge bekommt blitzschnell große, ängstliche Augen und die Mutter tätschelt ihm die Hand und beruhigt ihn. „Das Blut nehmen sie nicht aus der Wunde, sondern aus dem Arm“ und so verschwinden sie mit dem Arzt im Behandlungsraum.
Die Schwester hat sich dem Schwerverletzten zugewendet, weicht gleich einen Schritt zurück als sie die Alkoholfahne des Mannes riecht und ruft einen Pfleger zur Hilfe. Erste Notversorgung, dann gehts für ihn zum Röntgen.
Mittlerweile ist Bastie von den Toten aufgewacht und winkt erstmal seine blondierte Freundin an die Liege. Jetzt wird klag was der Gute hat – am Hinterkopf wird eine genähte Platzwunde sichtbar. Anscheinend ein Andenken an letzte Nacht, denn als die Schwester ihm die Blutwerte mitteilt, kann sie es sich nicht verkneifen, auch auf die 1,25 Promille hinzuweisen. Seine Freundin nimmt ihn in den Arm und sagt „als erstes wäschste dir zu Hause die Haare, siehst echt Assi aus Alter...“ (wohlbemerkt Bastie hat nen Bürstenhaarschnitt von 5 mm). Tja, auf was es heutzutage alles ankommt ;-) Ich könnte Euch noch bestimmt 20 anderes Geschichten erzählen, die in meiner Wartezeit passiert sind...u.a. ein Hertha Nachwuchsspieler mit Sprunggelenksverletzung, ein Mann dem beim Renovieren Tapetenablöser ins Auge gespritzt ist, ein Blut-Bote der sich am Eingang den Kopf blutig gestossen hat, und so weiter und so weiter .
Immer wieder kommen neue Patienten durch die automatische Tür geschritten, gerollt oder gestützt. Gegen 16 Uhr wird es endlich etwas ruhiger. Ich warte immer noch. Ein kurzes durchatmen für die Pfleger, Schwestern und Ärzte, die sich bemühen dem Ansturm Herr zu werden und trotzdem ihre gute Miene behalten.
Schon eine halbe Stunde später füllt sich der Wartesaal bereits wieder. Ältere Damen, die auf dem Gang „zwischengelagert“ werden, bis die Ergebnisse ausgewertet und weitere Schritte beschlossen sind. Wartende, besorgte Angehörige und Patienten. Ich weiß gar nicht wie oft ich in den 6 Stunden Wartezeit die Frage „Wie lange wird es noch dauern?“ gehört habe. Eine Frage die hier niemand beantworten kann, schon gar nicht bei dieser Wochenend-Notbesetzung.
Als ich gegen Abend die Notaufnahme verlasse, bedanke ich mich bei der Schwester, die sich darüber sehr freut und denk nur so bei mir - Was für ein Hammer-Job und das Tag ein Tag aus. Wow, mein Respekt.

Vielen Dank fürs Lesen und auf baldo,
Euer Echo Girl

Samstag, 5. Februar 2011

46.Goldene Kamera


Die 46.Goldene Kamera war ein Gehasche nach emotionalen Momenten. Ich fand es furchtbar. Vier Stunden ohne Punkt und Komma.
Beglückwünscht seinen trotz alledem die Preisträger - Anna Loos, die einen Preis mehr als verdient hat, Ulrich Tukur, wobei ich den Preis lieber Max Riemelt für seine Darstellung in „Im Angesicht des Verbrechens“ zugesprochen hätte, das Münsteraner Tatort-Team Boerne und Thiel und natürlich Armin-Müller-Stahl, unser Hollywood Export. Was ich noch nicht so recht verstanden habe, ist die Festlegung des Preisträgers in der Kategorie „International“. Wieso werden gerade Renèe Zellweger und John Travolta dieses Jahr geehrt? Hatten die gerade Zeit oder wie? Oder sollen sie einfach etwas Hollywood-Glanz in den Saal zaubern? Michael J.Fox erhielt ebenfalls eine Goldene Kamera für sein Lebenswerk. Erster emotionaler Moment. Der seit 20 Jahren an Parkinson leidende Schauspieler war sichtlich gerührt und die Gäste ebenso, nachdem Danny DeVito die Laudatio auf ihn gehalten hatte.
Thomas Kretschmann war extra aus Los Angeles eingeflogen. Er hielt einen Nachruf auf Bernd Eichinger. Zweiter emotionaler Moment.
Und jetzt kommen wir zu dem nächsten Punkt, den ich nicht verstehe. Wieso bekommen Musiker einen Preis – das Ding heißt doch Kamera. Hmmm irgendwie soll alles unter einen Hut passen, hab ich so das Gefühl. Und dann noch Eros Ramazotti? Nach dem kräht doch kein Hahn mehr. Ich fand`s zu voll gepackt und zu durcheinander. Als Günther Netzer auf die Bühne gebeten wurde, um eine Laudatio auf Monika Lierhaus zu halten, wurde es im Saal ruhig. Ich denke genau wie vor den Bildschirmen zu Hause. Das kann doch jetzt nicht ihr Ernst sein, denk` ich nur. Herr Netzer kämpft mit den Tränen als er die Rede vorliest und mir wird ganz mulmig. In welcher Verfassung wird die einstige Moderatorin den Preis entgegennehmen. Zwei Jahre sind nach ihrer Operation, bei der Komplikationen auftraten, vergangen. Eine absolute Nachrichtensperre wurde damals ausgesprochen. Seitdem gab es immer wieder Gerüchte und Spekulationen. Die Tür auf der Bühne öffnet sich und mit langsamen, abgehakten Schritten schleicht Monika Lierhaus in Richtung des Mikrophones. Freude, Entsetzen, Tränen und Standing Ovations im Saal. Dritter emotionaler Moment. Einen heiden Respekt habe ich vor ihrer Entscheidung, diesen Weg zu wählen. Das Reden fällt ihr schwer, doch sie lässt es sich nicht nehmen den Moment zu nutzen und ihrem Lebensgefährten vor einem Millionenpublikum einen Heiratsantrag zu machen. Dieser ist völlig überrascht, aber sagt sofort „Ja“. Jubel bei den Gästen. Die Tränen werden weggewischt und ein Lächeln schleicht sich zurück auf die Gesichter der Gäste.
Das mal spontan, kurz und knapp zusammen gefasst, für die, die es nicht gesehen haben. Ach Mensch, fast hätte ich ja Christine Neubauer vergessen, der fast der Busen aus dem Kleid gefallen wäre, bei ihrer Schleim-Laudatio auf Frau Zellweger. Iris Berben verdrehte auch schön die Augen bei dem Anblick, wunderbar eingefangen durch die zahlreichen Kameras. Freut mich, dass es nicht nur mir so ging.

Auf baldo,
Euer Echo Girl

Mittwoch, 2. Februar 2011

Liebesgrüße aus Berlin




Seit über einer Woche bin ich in Berlin und, ehrlich gesagt, hab ich mir das mit der Temperaturumstellung doch etwas einfacher vorgestellt. Der Jetlag war diesmal ein kleineres Problem als sonst. Von den südamerikanischen Klimaverhältnissen und fünf Monaten kalifornischer Sonne verwöhnt, fällt es mir schwer, mich an die Minimum 20 Grad Temperaturunterschied zu gewöhnen. Trotz dicker Winterbekleidung erfordert jeder Spaziergang doch etwas Überwindung. Was mich sehr erstaunt, und das fällt mir im Vergleich zum letzten Winter extrem auf, ist, dass die Menschen freundlicher sind. Das war ja im Vorjahr gar nicht zu ertragen. Da wurde ich ganz schräg angesehen, wenn ich nur zum Lächeln ansetzte. Freut mich also sehr diese Besserung. Ein Lob also an die Berliner !

In Los Angeles hat man ein großes Problem, wenn man den Deutschen Film mag. Mir bleibt dann nur die Möglichkeit die Filme zu sehen, wenn ich in Deutschland zurück bin oder wenn sie bereits auf DVD erschienen sind. Daran muss sich langfristig dringend was ändern. Na ja, somit zog es mich in Berlin natürlich gleich ins Kino. Auf meinem To-do-Zettel stand u.a.  „Drei“ von Tom Tykwer. Mit einer wirklichen Hammer-Besetzung wurde ich überrascht. Devid Striesow, Sophie Rois und Sebastian Schipper spielen ihre Rollen einfach vorzüglich, und es macht Spass, ihnen dabei zuzusehen. Leider ist die Story doch etwas zusammengebastelt für meine Empfindung. In der F.A.Z. stand so passend geschrieben: „Tom Tykwers bester Film seit Jahren. Und doch steckt ein noch besserer darin, den er nicht gedreht hat“ – dem würde ich mich gern anschließen. Aber ansehen und selber eine Meinung bilden, geht auch.
So eben komme ich aus „Kokowääh“, dem neuen Til-Schweiger-Film. Um bei meiner Freundin nicht ganz in Ungnade zu fallen, denn sie hat an diesem Film fast ein dreiviertel Jahr mitgearbeitet, halte ich mich zurück und sag nur – oh my god. Am Ende des Filmes klatscht doch tatsächlich eine Frau. Wahrscheinlich war sie eine der unzähligen sabbernden Komparsinnen, die mitgewirkt haben, und sie fand, ihr Auftritt müsste noch gebührend beklatscht werden. Plötzlich taucht noch während des Abspanns der reale Til Schweiger auf. Große Aufregung im Saal. Die Kameras werden sofort gezückt und auf Teufel komm raus, Fotos geschossen, die bei der Beleuchtung eh nix werden, aber egal. Til schmeißt ein paar Werbeartikel des Filmes in die Menge. Sagt ein, zwei Sätze, und nach ein paar Minuten ist der Zauber auch schon wieder vorbei. Er verschwindet so schnell, wie er gekommen war. Flinker Fuß ist nun gefragt, der Film läuft in weiteren umliegenden Kinos als Preview, die wollen auch noch schnell besucht und beschenkt werden. Schließlich soll der Film morgen zum Kinostart in aller Munde sein. Das nenn ich mal Beeinflussung des Publikums auf ganzer Linie – aber ´ne ganz gute Promotion. Die Mädels im Saal jedenfalls sind mit roten Wangen aus dem Kino gelaufen und kicherten ganz aufgeregt.

Seit meiner Rückkehr habe ich meinen Kiez mal wieder genauer unter die Lupe genommen: Was is` neu ? Welchen Laden gibt’s nich` mehr und so weiter. Zu meiner Freunde stellte ich fest, dass der Ed-Hardy-Laden nun endlich geräumt ist. Ein Glück, war ja auch immer eine lange Anreise für die ganzen Marzahner und Lichtenberger Fashion-Fans.
Ein super Laden ist in den Hackeschen Höfen. LUMAS nennt sich diese Galerie, die weltweit bereit 12 Standpunkte hat. Die Besonderheit der Fotographien sind die Rahmungen bzw. unter Acrylglas und natürlich die Limitierung auf 75-150 Stück. Das Ganze zu einem erschwinglichen Preis. Sicher sagen einige, das ist ein alter Hut, aber ich kannte es nicht und war ganz angetan. Ist auch ein tolles Geschenk. www.lumas.de

Beim Besuch „meines“ Wochenmarktes am Hackeschen Markt wurde mir ganz warm ums Herz. Es freut mich, dass ich mich nun nicht mehr nur zwischen Obst und Gemüseständen wieder finde, sondern die tollsten Köstlichkeiten aus eigener Herstellung angeboten werden. So gibt es zum Beispiel eine Dame, die frisch gebackenen Strudel mit verschieden Füllungen anbietet. Der Apfelstrudel wurde mir gereicht und sogar gleich vor Ort etwas warm gemacht. Ich sach euch – `nen Draum. Lecker. 




Daneben ein Stand mit selbst gemachter Pasta in allen Variationen, ein Stück weiter ein Büdchen, was verschiedene orientalische Leckereien anbietet und so weiter und so weiter. Auf jeden Fall ein Besuch wert. So stapfe ich mit meinen Köstlichkeiten bepackt glücklich nach Hause. Kuschel mich an meine Heizung und freue mich, wieder in Berlin zu sein.

Ach ja "neu" ist auch das "Pret a Diner", eine Art Pop-up-Restaurant, was sich aber nicht als solches versteht, sondern eher als Dining experience. Seht selbst auf Facebook und/oder im Internet. Für nur einen Monat (17.Jan-20.Feb.2011) hat es seine Pforten in Berlin-Mitte geöffnet. Anmeldung/Reservierung natürlich zwingend erforderlich. Werde Euch gerne ausführlich berichten, wie es war ;-)

Als nächstes schreibe ich Euch Neues von der Berlinale, die am 10.Februar beginnt und auf der ich fleißig unterwegs sein werde. Termine, Termine, Termine, aber auch Filme, Filme, Filme.

Vielen Dank fürs Lesen und auf baldo,
Euer Echo Girl

Donnerstag, 20. Januar 2011

Black Swan, Russell Brand und Burger


Seit langem war mal wieder Kinotag angesagt. Trotz sommerlicher Temperaturen und Sonnenscheins ließ ich es mir nicht nehmen, mich am Mittag in die dunkle magische Höhle zu setzen. Jedes Mal freue ich mich wie ein kleines Kind, dass das erste Mal auf den roten, riesig erscheinenden Plüschsesseln Platz nimmt. Die Beine baumelnd, und mit Popcorn & Cola bepackt, gespannt auf die Leinwand schaut und den Beginn des Filmes erwartet.
Nach den Golden Globes war ein Update dringend erforderlich. Ganz oben auf meiner Liste: „The Black Swan“ und „True Grit“ (Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale). Die Entscheidung fällt für „Black Swan“. Nominiert für 4 Golden Globes und Lobeshymnen wo man hinhört. Völlig gespannt auf das neue Werk von Regisseur Darren Aronofsky, der 2009 mit „The Wrestler“ etliche Nominierungen und Awards eingeheimst hat. Somit wurde Mickey Rourke glücklicherweise die Chance auf ein zweites Leben geschenkt. Der schwere Vorhang hebt sich, und der Film beginnt. Von Anfang an hat sie mich. Wow, was für eine Naturschönheit ist denn Natalie Portman. Die perfekte Besetzung. Mit 11 Jahren in einem Pizzaladen entdeckt und in „Leon der Profi“ als Rotzgöre mit 13 ihre erste große Rolle gespielt. So hat sie für „Black Swan“ jeden Tag 8 Stunden Ballet trainiert, und das ein Jahr lang. Wahnsinn, das nenn ich mal `ne gute Vorbereitung. Ich möchte nix verraten und sage daher nur – unbedingt ansehen!
Der zweite Film, den wir uns anschauen, ist „Unstoppable“ mit dem Washington-Denzel, wie mein Freund zu sagen pflegt. Eine totale Nullgeschichte, aber dank Regisseur Tony Scott dann doch ganz unterhaltsam. Ein Zug gelangt ungewollt und unbemannt auf ein Gleis, mit Chemikalien beladen, und nun gilt es ihn aufzuhalten. Helden sind also gefragt und auch schnell gefunden. Man hätte das auch in einem Kurzfilm erzählen können.
Gestern gab`s ein Privat-Screening, zu dem wir geladen waren. In einem Kinosaal wird „Testzuschauern“ ein neuer, unveröffentlichter Kinofilm gezeigt. Diese bewerten dann im Anschluss an den Film die Qualität des selbigen auf einem Fragebogen. Ein perfekter Weg für die Studios zu checken, ob ein Film Publikum tauglich ist. Gegebenenfalls wird er noch mal umgeschnitten oder kommt ganz in die Tonne. Leider darf ich zum Inhalt nix sagen, das würde mich sonst schlappe 5 Mio. Dollar kosten. Man muss vor dem Screening alle elektronischen Geräte mit Kamerafunktion ins Auto bringen und eine Verschwiegenheitsklausel unterzeichnen. Ich sag nur so viel, ich kann Russell Brand als Schauspieler nicht ausstehen. Ich finde ihn ganz anstrengend und völlig überschätzt. Sicher ist er privat `nen ganz netter Typ, sonst wäre er auch sicher nicht mit Katy Perry verheiratet. Aber mal Hand auf Herz das is doch kein Frauentyp, oder irre ich da? Na ja den ganzen Lachern und dem Applaus am Schluss zu urteilen, fand der Film Anklang beim restlichen Publikum und wird uns sicher bald auf allen Billboards der Stadt anständig unter die Nase gerieben, ganz in Hollywood-Manier.

Für mich heißt es morgen, kurz entschlossen Abschied nehmen von L.A. und in den Flieger nach Berlin steigen. Mir grault es schon vor dem bevorstehenden Jetlag und der Kälte. Aber ich hab die Sonne ja jetzt sehr genießen dürfen.
Heute hieß es deshalb noch mal anständig sündigen. Auf Wunsch einer einzelnen Dame ging es zu „Mas Malo“, ein super lecker Mexikaner. Sein erstes Restaurant „Malo“ in Silverlake läuft so granatenmäßig, das er seine ganzen Mäuse nun in ein weiteres Restaurant im upcoming Downtown investiert hat. Man findet sich wieder in einem großen Saal, mit einer unglaublich hohen Decke und Stuck an den Wänden. Wir staunen erst einmal bevor wir Platz nehmen. 



Jeder Tisch ist besetzt und es werden fleißig Teller serviert. Ich liebe Mexican Food. Erstmal Chips, Salsa und Guacamole aufn Tisch und dann das Menü studieren. Die Wahl fällt auf einen Burrito und Enchiladas mit Carne asada. Ja - kann man so machen. Mein absoluter Favorit in Berlin Mitte sind die Burritos von „Dolores“. Schon verrückt.
Am Abend dann die zweite Sünde – „In `n`out Burger“. Ein Familienunternehmen seit 1948. Drei Burger zur Auswahl Hamburger, Cheeseburger und Double-Double-Burger und klassische Pommes. Thats it! Das ganze zwischen 2-3 Dollar. Absolut frische Ware. Das Witzige ist, man kann sein Burger „Protein Style“ bestellen, dann bekommt man seinen Burger anstatt mit Brötchen in Salatblättern serviert. 



Schließlich will man doch trotz Figur- und Gewichtskontrolle nicht auf diese leckere Fleischspeise verzichten. Das ist California. 

Ach und bevor ich`s vergessen...Heidi Klum hat eine neue Serie ab Februar...


Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Blog :-)

Sonnenuntergang in L.A.

Sonntag, 16. Januar 2011

Golden Globe Awards 2011

Die Award Season in Hollywood gilt nun als eröffnet. Die 68.Golden Globe Awards wurden so eben im Beverly Hilton, in Los Angels vergeben. Eine Veranstaltung wo sich das who-is-who der Filmindustrie jährlich die Hände schüttelt und auf Preise hofft. Die absoluten Film-Favoriten dieses Jahres sind „Social Network“, „The King´s Speech“ und „Black Swan“. Zur Verwunderung vieler, und das blieb auch durch den Moderator Rick Gervais nicht unkommentiert, steht „The Tourist“ auf der Liste der nominierten Filme. Kein schlechter Film – für ne Nominierung jedoch etwas zu hochgelobt, wie ich finde. Gervais versuchte mit seinem britischen Humor sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen. Jedoch griff er mehrfach so daneben, das selbst der Präsident der Foreign Press, die diese Veranstaltung ausrichten, sagte er solle sich, für seine nächsten Filme jemand anderen suchen, der diese promotet. Tja, ssschüßi, würd ich sagen mein Freund, das war die letzte Golden Globe Verleihung, die du moderiert hast. Es gelten halt immer noch gewisse Regeln, die es in Hollywood einzuhalten gilt – otherwise you are out of the game.
Wer eine der begehrten Golden Globe Awards in seinen Händen halten kann, hat sehr, sehr gute Chancen auch den begehrten Oscar zu bekommen. Diese werden dieses Jahr eher als die Jahre zuvor, nämlich bereits schon am 27.Februar in Hollywood verliehen. 
Ein absolutes Highlight bei den Golden Globes war definitiv Michael Douglas, der mit seiner bezaubernden Frau Cathrine Zeta-Jones erschien. Er war für seine Rolle in „Wallstreet 2“ nominiert. Nach seiner schweren Krebserkrankung, wurde er hier von so vielen Gossip-Zeitung bereits fast totgesagt. Shame on you, bad guys !!!!
Seine sonst so charismatische Stimme klang nach der schweren Chemotherapie etwas angeschlagen, aber er machte einen sehr guten Eindruck. Ich wünsche ihm nur das Beste für die Zukunft.
Der Nebenrollen-Award ging dann aber  zu Recht an Christian Bale für seine fantastische schauspielerische Darbietung in „The Fighter“. Als Michael Douglas eine Laudatio für jemanden halten sollte bekam er standing ovations und kommentierte dies wie folgt:  "There's got to be an easier way to get a standing ovation,...".
Es gab keine großen Überraschungen bei der diesjährigen Preisvergabe. Oh, ja doch, Robert de Niro wurde „überrascht“ mit einem Preis für sein Lebenswerk. Auch Robert ( in Hollywood nennt man nur den Vornamen, laut Mr.Henckel von Donnersmarck) bekam standing ovations. Zu Matt Damon, der den Preis übergab sagte er nur kurz, dass er ihn großartig in „The Fighter“ fand. Für die, die es nicht wissen, diese Rolle hat Mark Wahlberg, aus alten Zeiten noch einigen als Rapper Marky Mark bekannt oder als scharfes Unterwäsche Model für Calvin Klein, verkörpert. Mittlerweile ein einflussreicher Produzent, geachteter Kollege und ernstzunehmender Schauspieler. Ebenfalls nominiert, aber der Golden Globe ging in der Kategorie „Bester Schauspieler“ an den wunderbaren Colin Firth. Als stotternder König von England in „The King´s Speech“.
Mein Resume: Schreckliche Kostüme und Kollies wurden in die Kamera gehalten und bis zum erbrechen von den Moderatoren auf dem roten Teppich promotet - welcher Designer den Promis dies auf den Leib geschneidert oder umgehangen hat. Gähn, langweilig und teilweise so geschmacklos.
Das mal kurz und knapp aus Hollywood :-) 

Herzliche Grüße nach Hause. Liebe und Stärke - ich bin in Gedanken bei Euch.

Euer Echo Girl

Dienstag, 11. Januar 2011

Cartagena und der Fluch der Karibik


Cartagena de Indias, kurz Cartagena, ist an der Karibikküste gelegen, was man sofort merkt, wenn man aus dem Flieger steigt. Aus dem doch etwas kühleren Bogota eingeflogen, laufen mir beim herunter laufen der Gangway sofort kleine Schweißperlen den Rücken hinunter. Die Sonne heißt uns willkommen und ich bin einfach nur glücklich. Der letzte Stopp auf unserer einmonatigen Rundreise durch Südamerika. Jedoch will diesmal partout mein Koffer nicht auf dem Rollband erscheinen. Langsam mach ich mir Sorgen und biege die schweren Gummistreifen, die weitere Koffer ausspucken, beiseite, um zu sehen ob mein geliebtes Köfferchen in Sicht ist. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon eine Kolumbianische Familie gespannt meinen Koffer auspacken und sich über die vielen Mitbringsel aus den verschiedensten Städten Südamerikas freuen. Das war das letzte Mal das ich den aus den Händen gegeben habe auf dieser Reise, denk ich bei mir und wische die begeisternde Familie wieder aus meinem Kopf. Nichts passiert. Nun stecke ich meinen Kopf komplett durch die schwarzen Gummistreifen und sehe einen jungen Mann der ein kleines Päuschen zu machen scheint. Hinter ihm in einem offenen Wagen erspähe ich meinen Koffer. Der Typ gibt mir ein Handzeichen ich soll mich entspannen und mit dem Kopf zurück in die Halle. Als einer der letzten wird mein Silberpfeil aufs Band geknallt. Ich bin einfach nur froh, dass er da ist.
So nun erstmal Moneten bzw. Kolumbianische Peso tauschen. Für 100 Euro gibt’s sagenhafte 220.000 Col$. Etliche 50Mil-Scheine wechseln beim Cambio den Besitzer. Als frisch gebackener Millionär wandere ich stolz aus dem Airport und winke mir ein Taxi.
Gücklicher Weise habe ich vorher etwas recherchiert, welches Hotel, bei der wahnsinnig großen Auswahl das Richtige sein könnte und lag glaub ich ganz gut. Hotel 3 Banderas. Es liegt in mitten der Altstadt und für 220.000 Col$ pro Nacht/DZ - da kann man auch nicht meckern. Leider ist der check-in erst in einer Stunde, was etwas nervt. Nichts mit kurz unter die Dusche springen.

Mit einem kleinen Stadtplan des Zentrums in der Hand geht’s zu Fuß durch die schmalen Gassen, über Plätze und an der alten Stadtmauer entlang, bis uns der Hunger in ein Restaurant treibt. Was typisch Kolumbianisches möchte ich nun endlich mal probieren. Man fährt ja schließlich nicht so weit um Pasta oder Pizza zu futtern. In der ersten Etage, mit Blick auf den Bolivar Platz können wir dem Treiben auf den Strassen zusehen. 


Stefanie, eine Freundin, hatte mir den Insider-Essens-Tipp gegeben. Sie ist Kolumbianerin und somit absolut vertrauenswürdig. Frittierte Babybananen, Kokosreis und dazu gegrillter Fisch. Leider steht das so nicht auf der Speisekarte. Etwas enttäuscht bestellte ich mir frittierte Babybanane mit Tomaten-Salsa.
 

Etwas unscheinbar kommen die platanos fritos daher. Aber schon beim ersten Bissen...ich sag euch – lecker. Überhaupt nicht was man geschmacklich erwartet. Dazu fließen zwei eiskalte Cervezas die trockene Kehle herunter. Perfekto.

Beim hinab steigen der Treppen fällt mein Blick auf zahlreiche Fotos, die im Flur aufgereiht hängen. Einige zeigen beim genauen betrachten keinen geringeren als Bill Clinton, der als Gast in diesem Restaurant zu sehen ist. Wow, ich bin entzückt und erfreut.


Uns zieht es weiter durch die Gassen, wie alle anderen Touristen auch. Die Kulisse der historischen Häuser im kolonialen Stil ist unbeschreiblich. Ein wirklicher Zauber. 



Jedoch eine reine Touristen-Stadt. Viele Händler bieten ihre „einheimischen“ Waren feil – ich tippe da ja eher auf made in China. Gekühlte Getränke, frisch geschnittene Früchte in Bechern, Einheimische die sich verkleidet für Fotos anbieten. Jeder macht hier seinen Peso. 
 


Als die Sonne untergeht entscheiden wir uns für eine romantische Stadtrundfahrt mit einer alten Kutsche. An den Seiten des Bocks brennen Kerzen. Die Gassen sind in interessante Farben getaucht. Wir sind gespannt. Jedoch nach 15 Minuten finden wir uns schon am Ausgangspunkt wieder und der Kutscher hält frech die Hand auf. Ein totaler Beschiss. Aber man lernt ja nie aus. Für einen Absacker statten wir der nahegelegen Plaza de San Diego noch einen Besuch ab.
Vom Hotel gab es das Angebot eine Nacht (2 Tage) auf der Tierra Bomba Island zu verbringen, wo das Hotel ein weiteres Haus hat. Warum nicht - abenteuerlustig sagen wir zu. Um 9.30 geht’s am nächsten Morgen mit einem kleinen Boot auf die karibische Insel. Auf dem hoteleigenen Katalog und der Webseite hatten wir uns mehrfach die Bilder angesehen und uns schon die Hände gerieben. Ein Abstecher in die Karibik, das wird sicher der Hammer. Relativ schnell kommt die Ernüchterung. Als wir mit dem Boot den Strand erreichen wird klar, dass der Blick vom Hotel nicht wie erwartet aufs weite, unendliche Meer sondern, direkt auf die moderne Hochaus-Skyline von Cartagena gerichtet ist. Von Karibik mit türkisem Wasser hat das rein gar nix. Hmmm. Das is ja jetzt nich so schön. Na ja warten wir´s mal ab, nicht gleich meckern, nich. 







Die handvoll Damen und Herren vom Hotel kümmern sich rührend um uns. Es gibt auf den Schreck erstmal einen frisch gepressten Saft. Wir checken ein und erwischen ein gutes Zimmer mit Klima. Gleich mal in die Badehose gesprungen und ab an den Pool, der kann sich nämlich sehen lassen. Wenig später werden wir zum Lunch gerufen. Das ersehnte einheimische Essen wird gereicht. Frittierte Babybananen, Kokosreis und gegrillter Fisch bzw. in meinem Fall gegrilltes Hühnchen dazu. Ohne Worte schlemmen wir auf der Terrasse sitzend, mit der noch tropfenden Badehose an, im Hintergrund rauschen die Wellen an den Strand.

Bereits um 18 Uhr verschwindet die Sonne hinter den Wolken im Meer. Der Wind vom Meer bringt die gewünschte Abkühlung. Irgendwie fühl ich mich etwas wie im Ferienlager. Bei jedem Getränk muss ich zu einem der Bediensteten, er reicht mir das kühle Dosengetränk und macht einen Strich auf meiner Rechnung. Keine Bar oder so was. Tja, was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Abend? Mit uns sitzen noch 4 andere junge Leute auf der Terrasse verstreut, die das gleiche zu denken scheinen. Wir setzen uns zusammen, tauschen spannende, lustige, gruselige und traurige Geschichten aus. Zwei Jungs kommen aus Österreich und sind auf Kolumbien Rundtrip mit dem Rucksack und Zelt. Das junge Pärchen kommt aus Medellin und sie wollten das Wochenende einfach mal raus. Sind aber von der Insel auch eher nicht so begeistert. Gegen Mitternacht finden wir nach etlichen Strichen auf der Rechnung ins Bett. Ein schöner, unbeschwerter Abend.
Frühstück gibt’s von 8-11, was ich durchaus besucherfreundlich finde. Neue Gäste treffen auf der Insel ein. Zum Lunch wird das gleiche Gericht, wie am Tag davor gereicht. Was mich etwas verwundert. Was ist, wenn man 7 Tage hier bleiben möchte? Dann bleibt die Abwechslung Fisch oder Huhn, oder wie?
Da unser Boot zurück zum Festland erst am Nachmittag fährt, entspannen wir uns am Pool und genießen das Nichts-tun. 

Die Stunden verfliegen. Der Shuttle funktioniert einwandfrei und ehe wir uns versehen finden wir uns in der Altstadt wieder. Unser Zimmer ist bereits gemacht. Diesmal etwas größer und mit einem kleinen Balkon. Das absolute Highlight, was Übernachtung anbelangt ist das Sofitel am Plaza de San Diego. Impulsante Hütte. Nächstes Mal dann ;-)
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen wir Cartagena und machen uns auf nach „Hause“. Irgendwie hat Nachts fliegen was von „Trueman-Show“. Du steigst im Dunkeln in den Flieger, etwas ruckeln, draußen nichts zu sehen, außer ein paar entfernten Lämpchen und nach 7 Stunden ist man dann in Los Angeles? Ich weiß nicht. Ist doch schon interessant was Film bewirken kann.
Worüber ich mich sehr freue, ist, dass ich mein Toilettenpapier nun wieder runterspülen darf. Die Kanalisation in Südamerika ist dafür nicht ausgelegt. Kann man sich ja vorstellen zu welcher peinliches Situation ein Verstoß  führen könnte.
Ach und bevor ich es vergesse, falls jemand beim Schwimmen an der Copacabana zufällig 300R$ findet, die gehören meinem Bruder. Dieser hatte sich gedankenverloren und mit völliger Freude in die Fluten geschmissen. Zu dieser Zeit jedoch schon vergessen, dass er vorher beim Geldautomaten noch Frisches gezogen hatte und dies in die „große“ Tasche der Badehose gesteckt hatte. Nun wird er von seinen brasilianischen Freunden belächelt, warum nur?
Meine Mutter bat mich, mit einem Augenzwinkern, beim Besuch der alten Stadtmauer von Cartagena in Nähe der Kanonen mal die Augen nach einem Schweizer Taschenmesser offen zu halten, was mein Vater da 1998 verloren hatte und heute noch nachtrauert.
Ihr seht der alte Spruch von meinem leider viel zu früh verstorbenen Freund Jan hat immer noch Geltung: „Es ist nicht weg, es hat nur jemand Anderes“.

In diesem Sinne, bis bald, meine treuen Leser. Auch wenn die Urlaubsreise zu Ende ist gibt es reichlich aus der Stadt der Engel – Los Angeles - zu berichten.

Euer Echo Girl