Freitag, 7. Juni 2013

Ein tragischer Unfall, der weiße Hai und Martha´s Vineyard


In der Nacht werde ich von heftigem Regenfall, Blitz und Donner geweckt. Es ist 4 Uhr, und mir schießt sofort durch den Kopf, dass wir heute eigentlich unsere Tour nach Nantucket auf dem Zettel haben. Neben Marta´s Vineyard eine weitere Insel, die vor Cape Cod gelegen ist. Während ich so grübele, was Plan B wäre, fallen mir die schweren Augenlider wieder zu. Am Morgen hat sich die Lage nicht wirklich geändert: etwas weniger Regen zwar, aber der Himmel ist trüb und ein einziger dunkler Brei. Verdammt. Noch einen Tag in Provincetown bleiben? Trotzdem auf das Island? Oder einfach erst mal die Küste runter fahren, bis zur Fähre, und dann schauen, wie Wetter und Laune sind. Yepp, so machen wir´s. Wir verabschieden uns von Bill und seinem Mann, nach einem langen Plausch über Reisen und was die beste Route durch Deutschland wäre, wenn man alle seine Wunschorte berücksichtigt. Hier würden wir jederzeit wieder einkehren, bei den Zweien.
Die Orte wirken durch den Dauerregen wie ausgestorben. In Hyannis, wo die Fähre nach Nantucket an- und ablegt machen wir einen Stopp und besichtigen das John F. Kennedy-Museum
Es werden Fotos und kurze Filme gezeigt, die die Kennedys unbeschwert und fröhlich auf Cape Cod zeigen, wo sie seit 1927 bis heute ihren Wohnsitz in Hyannisport haben. 









Von Nantucket und Martha´s Vineyard, den beiden Inseln, ist auch immer wieder die Rede, was uns in Erinnerung bringt, was unser eigentlicher Tagesplan war. Da uns Hyannis als Städchen nicht so recht zusagt, entscheiden wir uns die Überfahrt nach Nantucket komplett zu streichen und uns für den morgigen Tag Martha´s Vineyard anzunehmen. Schließlich sind tags drauf Sonnenschein und 20 Grad angesagt, na ja laut Wetterbericht, aber wann kann man dem schon mal vertrauen. Wir fahren also weiter nach Falmouth, wo wir am nächsten Morgen die Fähre nach Martha´s Vineyard nehmen. Die Vorhersage sollte Recht behalten, der Himmel strahlt blau ohne ein Wölkchen, so als wäre nichts gewesen.



Vor dem Einfahren des Steamships in den Hafen läutet eine metallerne Boje beim Vorbeifahren - vom Wiegen der Wellen. Mir fällt sofort die Sequenz aus “Jaws - Der weiße Hai” ein, wo eine junge Frau fröhlich ins Wasser springt, um ein Wettschwimmen um eine solche Boje zu veranstalten. Sie schafft es bis zu dieser und wird dann vom gierig-hungrigen Hai erwischt. In ihrer Verzweiflung hält sie sich an der Boje fest. Die Glocke hört man noch ewig schlagen, jedoch ist von der jungen Frau nichts mehr zu sehen. Ich fand die Szene so gruselig. Wie man sieht, krass eingebrannt im Kopf.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Insel zu erkunden, wenn man denn möchte. Entweder man nimmt sein Auto mit (seeehr teuer - 70$ oneway), man mietet sich ein Roller (wofür wir uns entscheiden) oder man ist per Fahrrad unterwegs, jedoch schafft man so die Umrundung der Insel nicht an einem Tag. 



Es hat so ein Feeling von auf Helgoland ankommen, wenn man in Oak Bluffs anlegt. Das Steamship spuckt zahlreiche Menschen und Autos aus und belädt im Anschluss gleich wieder für die Rücktour. Ich möchte mir das Szenario gar nicht in der Hauptsaison vorstellen. Anfang Juni und unter der Woche ist es entspannt, die Fähre war nicht einmal halbvoll. Auf unserem tuckernden Roller, der schon einige Stürze hinter sich hat, fahren wir von Oak Bluffs nach Edgartown. Parallel zum Strand verläuft die leere, zwei-spurige Straße und der salzige Meerwind bläst uns ins sonnengewärmte Gesicht. Wir können nicht anders und legen uns für ein paar Minuten an den schönen Sandstrand, schließen die Augen hören den Wellen beim Rauschen zu. Was für ein Geschenk, was für ein Tagesbeginn.

 

Die Entfernungen auf der Insel und zwischen den wenigen Orten sind nicht zu unterschätzen. Wir verbringen ein Großteil unserer Zeit auf unserem motorisiertem Freund, der sich an dem ein oder anderen Hügel mit 50 cc etwas quälen muss, aber unter Ächzen uns die Treue hält. Etliche Radfahrer sind auf der Insel unterwegs, sehr ungewöhnlich für Amerikaner, die ihr Auto so lieben und wo Fahrradfahren zu lernen nicht die Regel ist. So werden wir Zeuge, wie eine Dame einfach so die Kontrolle über Ihr Zweirad verliert und wie einst Jan Ullrich bei der Tour de France ins Gebüsch fährt bzw. fällt. Sofort halten wir an, und ich laufe den Weg zurück, um der Dame zu Hilfe zu eilen. Ihr Mann, der das laute Krachen hinter sich gehört hat, ist mittlerweile auch bei ihr. Das sah nicht gut aus, denk ich so bei mir, während ich die Pflaster, die ich nun seit einem Rasierer-Unfall vor paar Tagen im Gepäck dabei habe, heraus suche. Die beiden stehen unter Schock und sind etwas neben sich. Außer einem verletzten Finger kann die Frau, die glücklicherweise einen Helm trug, nicht berichten. So lege ich der Dame ein Pflaster um den blutenden Finger und rede ihr gut zu. Die beruhigenden Worte scheinen Wirkung zu zeigen. Was für ein Schreck.

Auf der Insel hat sich im übrigen ein anderer tragisch und tödlicher Unfall anno 1969 ereignet. Bis heute ist der Chappaquiddick-Incident, wie man ihn auch nennt und in den Ted Kennedy, der jüngste Bruder von JFK, verwickelt war nicht 100% geklärt. Wer die Story kennt, einfach überspringen, und beim nächsten Absatz weiterlesen.

Also dit war so jewesen, so berichtet man jedenfalls: Am späten Abend des 18. Juli 1969 verlor Ted Kennedy die Kontrolle über seinen Wagen und stürzte über die Brüstung der Dike-Gezeiten-Brücke. Er konnte sich wie von Geisterhand unverletzt aus dem im Wasser sinkenden Wagen retten, jedoch steckte seine Beifahrerin, die 29-jährige Mary Jo Kopechne, fest. Ted verließ den Unfallort und meldete erst, halt Dich fest, 10 Stunden später der Polizei was geschehen war, worauf diese Rettungskräfte sofort loszogen. Der Wagen mit der toten Mary wurde geborgen. Als sei das nicht schon tragisch genug, kommt noch eins obendrauf. Ein Gutachter sagte später, die Rettungskräfte hätten Teddies damalige Sekretärin und Wahlkampfhelferin eventuell retten können, wenn er nur den Unfall sofort gemeldet hätte. Durch das schnelle Absinken des Wagens hatte sich wohl eine Luftblase im Wageninneren gebildet, so das Mary auch unter Wasser noch einige Zeit gelebt haben muss. Wie tragisch und gruselig zugleich! Es ist bis heute unklar, warum Mr. Kennedy, der spätere Senator von Massachusetts, den Unfall erst so verspätet meldete – man munkelt er hätte unter starkem Alkoholeinfluss gestanden. Vor Gericht gab er jedenfalls an, so steht es im Protokoll, er habe mehrfach nach Mary getaucht. Am Ende der Verhandlung wurde er wegen unerlaubtem Entfernen vom Unfallort zu zwei Monaten auf Bewährung verurteilt. An die Familie der jungen Frau wurde Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Dollar von der Versicherung und 90.000 Dollar aus Teddies Privatvermögen gezahlt.

Von Edgartown kann man mit einer kleinen Fähre zu besagter Insel (kurz Chappy genannt) übersetzen, was wir auch tun. 


Neben einem privaten Strand-Club gibt es jedoch nicht wirklich was zu sehen, ach ja doch: ewig lange Strände. Zurück in Edgartown stärken wir uns und gönnen uns einen Drink mit Blick auf den Hafen. 
In einem Souvenirladen entdecke ich ein Plakat und ihr werdet es nicht glauben, ich lag mit meinem Gedanken nicht so verkehrt. Hier wurde doch tatsächlich “Jaws” gedreht. 
heute Souvenirladen - 1975Drehort für JAWS

Leider wird´s mit der Location-Tour nichts, wir müssen weiter, der Rest der Insel will noch gesehen und erkundet werden. 







So brummen wir im Kreis über die holprigen Straßen der Insel bis wir Oak Bluffs wieder erreichen und besteigen die letzte Fähre nach Wood`s Hole. Die Sonne hat bereits unsere Haut gefärbt. Wir sind glücklich und erschöpft zugleich. Was für ein schöner Ausflugstag!



Das war´s mal wieder kurz und knapp.
Die Reise geht die nächsten drei Wochen weiter Richtung amerikanische Westküste und ich bleib dran, davon zu berichten.

Liebe Grüße und bis baldo,

Euer Echo Girl

Donnerstag, 6. Juni 2013

Der süße Eisbär Knut, Cape Cod und die Kennedy´s


Boston ist wunderschön anzusehen und macht einen recht blank geputzten Eindruck. Bis auf Downtown, wo in paar Hochhäuser hinaus recken sind die Gebäude eher flach gehalten und es mischen sich alte und neue Bauten – ich würde sage ein pittoresker Mix aus San Fransisco und London. Im Prudential Tower, der zentral im Stadtteil Back Bay gelegen ist, hat man von der 50. Etage (Skywalk) einen atemberaubenden Blick über ganz Boston, und wenn man möchte, erfährt man noch etwas über die Stadt via Kopfhörer, die am Eingang ausgeteilt werden. Der Eintritt liegt bei 15 Dollar p.P., was nicht ganz billig aber lohnenswert ist. Eine Alternative ist das zwei Etagen höher gelegene Restaurant “The Top of the Hub”, für den, der Essen und Ausblick verbinden möchte, jedoch bekommt man dort keinen 360-Grad-Panoramablick. 


nur einen Pool war auf den Dächern Bostons zu sehen
Leider neigt sich unsere Zeit in Beantown dem Ende und es heißt, Abschied zu nehmen, jedoch nicht bevor noch ein Punkt vom meiner Wunschliste “erledigt” ist – der SoWa Open Market. Jeden Sonntag (von Mai-Oktober) zieht die aus drei Märkten bestehende Veranstaltung zig-tausende Menschen an. 
Das Witzige ist, dass diese Märkte an einer Straße im South End liegen und nur wenige Laufminuten voneinander entfernt sind, ein schöner Sonntagsauftakt. Ein Markt bietet frische Lebensmittel an (Farmers Market), der Nächste besteht aus verschiedenen Food-Trucks und der dritte bietet lokalen Künstlern die Möglichkeit, ihre Waren unter kleinen Zelten zum Verkauf anzupreisen (Arts Market). 



Verdutzt bleibe ich an einem der Zelte stehen und muss mehrfach hinschauen – ich lese Kleiner Eisbär auf dem Firmenschild. Ein junges Pärchen sitzt hinterm aufgbauten Plastiktisch, auf dem sie ihre Papierwaren anbieten und wir kommen ins Gespräch. Krissy´s Mom lebte lange in Deutschland und sang ihrer Tochter immer einen Song vor, in dem ein kleiner Eisbär die Hauptfigur war, erzählt sie. Als dann später “Knut” im Berliner Zoo die internationale Aufmerksamkeit gewann, war der Name für ihr Zweimann-Unternehmen klar. Was es nicht alles für Geschichten gibt. Gleich neben dem Arts Market befindet sich in einem der Hauptgebäude noch ein Vintage Market, den wir  eher durch Zufall entdecken - das Sahnehäubchen des Rundgangs. 
Eingang rechts ganz unscheinbar
Die Luftfeuchtigkeit liegt bei nahezu 100% als wir durch die Räume schreiten, ein paar Ventilatoren versuchen, etwas Kühlung herbeizuführen und sind beliebte Wartepunkte. Ich liebe es ja bei solchen Märkten zu stöbern, meistens entdecke ich auch was. 





So auch hier. Ich erwerbe alte Ansichtskartenpakete, die es von jeder größeren US-Stadt, den Nationalparks und besonderen Orten gab. Es gibt schon Ideen für eine Sonderedition, die ich dann bei Echo Girl Art  anbieten werde.

Bevor wir uns nun wieder ins Auto steigen und uns auf die Reise machen, stärken wir uns noch beim Food Truck Market mit einem klassisch New Yorker Hot Dog (mit Sauerkraut) und einer mexikanischen Hühnchen-Torta.





Cape Cod zu deutsch “Kap Kabeljau”, so benannt wegen ihrer einst großen Kabeljaufanggründe, ist ein begehrtes Reisziel.Die zwischen Boston (115km) und New York (410km) gelegene Halbinsel, die wie ein Angelhaken in den Atlantik ragt, bietet sehr viel Grün, einige der schönsten Strände Amerikas und war und ist der Wohnsitz der Kennedys.  
Auf der Strecke nach Cape Cod machen wir einen kurzen Zwischenstopp in Plymouth, da wir uns einen Nachbau der Mayflower ansehen wollen. Im Visitor Center berät man uns ausgezeichnet, was die Weiterreise zu Cape Cod und interessante Haltepunkte betrifft, jedoch auf Nachfrage wo der Nachbau des legendären Schiffs läge, was 1620 die ersten Einwanderer an die Küste der USA aus Europa brachte, erhalten wir nur ein bedauerndes Kopfschütteln, diese befindet sich gerade im Trockendock zum Aufpeppeln. Schade, aber da kann man nix machen. Viel Zeit zum Traurigsein bleibt nicht. Wir wollen nach Provincetown an das äußerste Ende des Angelhakens. Sollte ihr je nach Cape Cod kommen, dann kann ich Euch nur ans Herz legen nicht die Schnellstraße (6), sondern die 6A zu nehmen. Man hat das Gefühl man fahrt durch eine Puppenstube. Die Häuser sind alle im alten Stile, aber sehr gepflegt und die Grünflächen davor sind 1A gemäht, als hätte man auf unseren Besuch gewartet. Verrückt.
Kurz vor Sonnenunergang erreichen wir Provincetown und sind begeistert. Ein so süßes Städtchen. Die Reise hierher hat sich definitiv gelohnt. Das Gute ist, dass die Saison hat noch nicht richtig begonnen hat, somit sind die Orte nicht überfüllt, aber auch nicht leer - ideal. 







Via Booking.com verschaffen wir uns auf dem ipad einen Überblick für eine mögliche Bleibe im Ort aus und klopfen schließlich an die Tür des Hauses. 
Bill, der Inhaber dieser kleinen Pension, empfängt uns freundlich und führt uns plaudernd durch die zur Auswahl stehenden Zimmer. Sogar mit Kamin wäre eines im Angebot- wow, jedoch bei den sommerlichen Temperaturen nicht wirklich sinnvoll. Am Ende der Führung macht er uns ein Angebot, was wir nicht ablehnen können, und so werden wir Gäste im Bradford-Carver House.
Ganz begeistert bleibe ich beim Spaziergang durch den kleinen Stadtkern an einem Laden stehen. Hier sollte ich auf mein erstes Souvenir auf dieser Reise treffen. Tim, der Besitzer des Ladens, designt eine besondere Art von Andenken-Shirts. Die Buchstaben P-Town, wie Provincetown kurz genannt wird, nutzt Tim als Grundlage für seine Grafikideen, die er aus Klebeband entwirft. Also auf jedem Print finden sich die Buchstaben wieder und er bindet sie ein, in etwas, was er mit der Stadt verbindet z.B. ein Cocktailglas, ein Leuchtturm und den hier typischen Lobster. 






Ich bin von dieser Kreativität so begeistert, dass ich mir einen Hoody und ein Longsleeve kaufe. Daumen hoch für Tim Scapes





Zu Abend essen wir im Lobster Pot, dem angesagten Fischrestaurant weit und breit, was auf der “Hauptstraße” gelegen ist. Um uns herum sind hauptsächlich belatzte Herren an den Nachbartischen damit beschäftigt ihre roten Schalentiere mit einer Zange zu traktieren, um an das begehrte Fleisch zu gelangen. Was bei einigen den Tisch zum Schlachtfeld werden lässt. What a mess! Wir entscheiden uns lieber für Chicken und Krabben.

Ein langer Tag neigt sich dem Ende, und wir sind platt von dem selbigen.

Das war´s mal wieder kurz und knapp. Danke für´s Lesen. Die Reise an die Westküste der USA geht weiter...


Liebe Grüße und bis baldo,

Euer Echo Girl